Calendar Girls - Filmkritik
| Aka Titel: | Kalender Girls |
| Land (Jahr): | Grossbritannien (2003) |
| Genre: | Comedy |
| Filmlänge: | 108min |
| Regie: | Nigel Cole |
| Kinostart: | 11.09.2003 |
| 31.12.2003 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Tim Firth |
Zauber der Orangenhaut
Eine kleine britische Komödie mit dem Herzen auf dem rechten Fleck: Helen Mirren und Julie Walters posieren mit ihren Freundinnen vom Frauenverein nackig für einen Benefizkalender. Auch wenn der neue «Feel-Good-Movie» von Nigel Cole («Saving Grace») gegen Ende ausufert, so bietet er liebenswerte Unterhaltung – und bricht für den Liebreiz der Gewöhnlichkeit eine Lanze.
Die unfreiwillig komischste Geschichte, mit der während der diesjährigen Sommerflaute im Blätterwald wenigstens ein bisschen geraschelt werden sollte, war gewiss jene der Tanga-Revolte. Wir erinnern uns: Ein Unterwäschehersteller hatte sich erfrecht, in der braven Schweiz mit den kaum bekleideten Bürzeln junger Damen schlüpfrige Plakatwerbung zu betreiben. Was eine Gruppe Frauen ohne Laufstegambitionen dazu bewegte, für Gegenplakate zu posieren, die zugunsten der natürlichen Schönheit «gewöhnlicher» Zeitgenossinnen werben sollten. Kaum verblüffend, mit bloss beschränktem Erfolg.
Das Spannungsfeld zwischen retuschierter Illusion und molliger Realität ist auch das Thema von Nigel Coles Wohlfühlkomödie «Calendar Girls». Darin geben die grandiosen britischen Darstellerinnen Helen Mirren und Julie Walters zwei Mitglieder eines dörflichen Frauenvereins, die sich für den alljährlichen Benefizkalender etwas ganz Besonderes ausgedacht haben: Statt der ewigen Landschaftsbilder, die kaum die Produktionskosten einbringen, sollen ausgerechnet Aktaufnahmen der - nicht mehr ganz taufrischen - Vereinsmitgliedern endlich etwas Zählbares in die Kasse fliessen lassen. Das anfängliche Entsetzen im Verein über den frechen Vorschlag weicht wenig später jenem über den bahnbrechenden Erfolg, den die Pin-Up Girls nicht nur landesweit, sondern bis über den Atlantik feiern.
Schon mit «Saving Grace» hat Regisseur Cole einen Publikumsliebling in die Kinos gebracht, der eine reife Frau mit Schmiss unkonventionelle Wege beschreiten liess. Auch «Calendar Girls» ist ein klassischer «Crowd Pleaser» mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, überaus sympathischer Besetzung und wohldosiert kecken Gags. Zudem gefällt die Komödie mit sehr gepflegter Kamera-Arbeit, die nicht nur die prächtigen Landschaften stimmungsvoll einfängt. Einzig das hoffnungslos überfrachtete letzte Drittel des Filmes stellt die Geduld der Kinogänger auf eine harte Probe, die man dem sympathischen Streifen letztlich allerdings nicht nachtragen möchte.
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass keine an Fleischauslagen erinnernde Ansichten entblösster Mittfünfzigerinnen zu befürchten sind. Vielmehr gelingt Nigel Coles Kameramann mit ästhetischen Bildkompositionen in gefälligen Sepiatönen, was den aufmüpfigen Eidgenossinnen mit ihren hemdsärmeligen Protestplakaten misslungen ist: den Beweis zu führen, dass sich auch – oder gerade – in der Gewöhnlichkeit Liebreiz finden lässt. [Simon Kern]
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