The Pianist
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Filmkritik

Musik des Überlebens

Roman Polanski hat einen Film über Polen im 2. Weltkrieg gemacht. Nicht seine eigene Geschichte hat er verfilmt, sondern die des berühmten, kürzlich verstorbenen Pianisten Wladyslaw Szpilman. «The Pianist», in Cannes mit der «Goldenen Palme» ausgezeichnet, wird von der Presse ein bisschen weniger verrissen als die übrigen Polanski-Streifen seit den Neunzigern. Zu recht.

Warschau 1939: Mit dem Einmarsch der Deutschen in Polen beginnt auch für den gefeierten polnisch-jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) eine lange Zeit des Leidens. Der Todesfalle Warschauer Ghetto mit Glück und Hilfe des polnischen Untergrundes entkommen, lebt er zunächst versteckt in Wohnungen. Zuletzt vegetiert er in den Ruinen zerbombter Häuser der vollkommen zerstörten Metropole. Bis ihm ausgerechnet ein deutscher NS-Offizier (Thomas Kretschmann) das Leben rettet.

Roman Polanski, der selber ein Überlebender des Ghettos von Krakau ist und als Bub die Deportation seiner Mutter erleben musste, hat sich des dunkelsten Kapitels der polnischen Geschichte angenommen. Mit Erfolg. Es blüht seither eine «Goldene Palme» in seinem Garten. Der Altmeister des Schreckens hat sich schon lange mit einem Film über das Leid Polens im 2. Weltkrieg getragen. Mit den Memoiren des Pianisten Wladyslaw Szpilman, schon kurz nach Kriegsende unter dem Titel Das wunderbare Überleben verfasst und herausgebracht, hat er endlich den richtigen Stoff gefunden. Richtig, weil Szpilmans Geschichte «allem Horror zum Trotz am Ende Anlass zu Hoffnung» gebe. Richtig aber auch, weil Polanski es stets abgelehnt hat, einen Film über seine eigenen traumatischen Erlebnisse zu drehen.

Die filmische Umsetzung von Szpilmans Memoiren hat, nach Polanskis eigener Massgabe, «so realistisch wie möglich sein sollen. Der Film soll sich in nichts der üblichen Hollywood-Machart annähern.» Erstaunliche Worte, wenn man sich den Film ansieht. Gerade im ersten Teil, da Polanski die Greuel der deutschen Besetzer im Ghetto vorführt, gibt die kühle Aesthetik Hollywood'scher Grossproduktionen den Ton an. Er verliert sich im zweiten Teil nur wenig, der ganz im Zeichen des unmenschlichen Überlebenskampfes des fast vollkommen allein gelassenen Pianisten steht. Da findet Roman Polanski Bilder von Einsamkeit und Hilflosigkeit, die wahrlich unter die Haut gehen. Trotzdem: «The Pianist» ist im Grunde, so hat etwa die NZZ zu recht befunden, ein konventionelles Melodrama über Judenverfolgung und Nazigreuel. Mit etwas mehr Chopin, möchte man hinzufügen. Die Presse in Polen hat den Film übrigens verrissen, weil er zu wenig polnisch sei.

Damit mag wohl auch gemeint sein, dass das Polnisch im Film ein Englisch ist, das sich von jenem astreinen der BBC-Nachrichtensprecher nicht unterscheidet. Aber spätestens an diesem Punkt hat sich die Kritik endgültig in gefährlicher Seichte verlaufen. Bemerkenswert am «Pianisten» ist wenigstens dies: Polanski konfrontiert den Zuschauer mit einer Figur, die mit ihm sein Eigenstes teilt, eben genau Zuschauer zu sein. Das hat auch seine formale Entsprechung. Mit chirurgischer Akribie werden die ausgelegten Handlungsfäden zerschnitten, die den Pianisten aus seiner Paralyse befreiten und ihn zum Handeln brächten. So gerinnt ein Bild zum zentralen des Films: Der Mann schaut aus dem Fenster, sieht Unfassbares und kann nichts tun. Auf diese Weise mag Roman Polanski vor seiner eigenen Geschichte stehen. Und dennoch hätte man sich einen wirklich autobiographischen Polanski gewünscht. Vielleicht gerade deswegen.

Noch etwas. Adrien Brody ist ein grossartiger Szpilman. Bloss manchmal, ja, manchmal sieht er fast ein wenig zu gut aus.

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13 Kommentare
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movie world filip

wunderschöne bilder....
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attac

Ein erschütterndes und um Wirklichkeitsnähe bemühtes Holocaust-Drama, das dem Zuschauer das Grauen und die unerträgliche Todesangst im Warschauer Ghetto mit allen Möglichkeiten filmischer Mittel nahe ...
mehr
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Andy erschreckend realistisch. ein ganz starker film! zeitweise fast nicht zum aushalten!
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Emanuel

man kann mit Spilmann mitfühlen, perfekt umgesetzt!
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Martin

Oscar verdächtig! Sehr eindrücklich die Realtität gefilmt
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Catherine

Die Darsteller sind hässlich!
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nadja

er hat den oscar wirklich mehr als verdient!
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Patricia Araceli

unvergesslich, die Wahrheit, ein Meisterstück
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Alexandra

Grossartig. Ich habe den Film erst jetzt gesehen. Da er zwei Oscars gewonnen hat, kam er bei uns nochmals in die Kinos. Zum Glück! Denn sonst hätte mir etwas sehr wichtiges gefehlt: Mal wieder ein ric...
mehr
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Simon

wertvoll!. dieser film ist enorm wertvoll für unsere zusehends blinde gesellschaft! es dokumentiert in einer enorm ergreifenden art, was viele auf dieser welt als schwindel und "ausrutscher" ansehen! ...
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13 Kommentare

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