Sweet Sixteen
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Filmkritik

Allein zu Hause

Süsse sechzehn und das Leben versaut. Regisseur Ken Loach erzählt von seinem zeitgenösssischen Jungrebellen nichts Optimistisches - aber er vermittelt Verständnis für einen missglückten Versuch, einen eigenen Weg zu finden. Und das, ohne sich in Pathetik zu verlieren.

Ken Loachs Hauptfigur ist ungewöhnlich wie alle Helden des Kinos: Liam (Martin Compston) wünscht sich wenige Tage vor seinem 16. Geburtstag genau das, was andere Teenager verfluchen: Ein ganz normales Familienleben. Demnächst wird seine Mutter aus dem Gefängnis entlassen - und dann will er mit ihr und seiner Halbschwester (Annmarie Fulton) in eine Baracke mit Meersicht ziehen.

Liam zeigt unternehmerisches Talent, um sein Ziel zu verwirklichen. Doch er entscheidet sich ausgerechnet für diejenige Branche, die in seiner Familie bis hin zum Grossvater eine unrühmliche Tradition hat - den Drogenhandel. Der Weg in die kleinstädtische Unterwelt ist geebnet, die süchtigen Arbeitslosen seiner Heimatstadt sind die Kundschaft - seinen besten Freund Pinball muss er, des Geschäftes wegen - auf der Strecke lassen.

Doch Ken Loach hat aus Liams «Prolog zu einer Knastkarriere» keinen lehrmeisterlichen Aufklärungsfilm gemacht. Im Vordergrund steht ein ergreifendes Einzelschicksal. Weshalb Familie und Freundschaft bedroht sind und Loyalität zum Fremdwort geworden wird, analysiert Loach nicht lange. Klar ist aber: Der von Aussenstehenden ach so leicht zu formulierende Ratschlag «hilf dir doch selber» lässt der Regisseur nicht gelten.

Realismus ist eine schwer verdauliche Kost: Die Anhäufung von Unglück in diesem mehrfach preigekrönten Jugenddrama ist nicht immer vorbehaltlos glaubwürdig. Aber die talentierten Jungschauspieler - teils Amateure, teils ausgebildete Schauspieler - beheizen ihre schwierigen Charakteren erfolgreich. Unsere Emotionen hat Altmeister Loach in seiner wie gewohnt schlank in Szene gesetzten Sozialstudie fest im Griff - das Wechselbad der Gefühle greift über und ergänzt kühle Logik mit Mitgefühl.

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1 Kommentare
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Martina

traurig,sehenswert, regt zum denken an, absolut gut !

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