Être et avoir - Filmkritik
| Aka Titel: | Sein und Haben |
| Land (Jahr): | Frankreich (2002) |
| Genre: | Documentary |
| Filmlänge: | 104min |
| Regie: | Nicolas Philibert |
| Kinostart: | 13.03.2003 |
| 11.09.2002 (Romandie) | |
| Verleih: | Agora Films Sàrl |
| Cast: |
| Georges Lopez |
Aus der Liga der Anti-Stars
Nicolas Philibert (Le pays des sourds) hat mit Dieter Bohlen gewisse Ähnlichkeiten: Er sucht nach neuen Helden. Für seinen Dokumentarfilm über das Leben und das Lernen hat er 400 Schulen besucht und ist schliesslich in der Auvergne fündig geworden. Bloss sind seine Stars letztes Jahr die Stufen von Cannes heraufgegangen.
Eine Gesamtschule irgendwo in Frankreich - in einem abgeschiedenen Dorf, wo ein Grossteil der Bevölkerung immer noch von der Landwirtschaft lebt. Dort hat Regisseur Nicolas Philibert das Sujet für seinen Film gefunden. Lehrer Lopez unterrichtet hier in einer Klasse 12 Kinder zwischen 4 und 11 Jahren und versucht, sie ihren Möglichkeiten entsprechend zu fördern. Wie in einem Spielfilm wird zwischen Hauptpersonen (der Lehrer und der charmanten Jojo) und Nebenakteuren unterschieden.
Philibert hat sein Portrait linear gestaltet. Die jahreszeitlich bedingte Veränderung der Landschaft ist der natürliche Hintergrund für die Entwicklung seiner Schulklasse. Mit inbegriffen ist aber auch das Familienleben der Schüler, die Arbeiten in der Landwirtschaft oder Freizeit, denn hier ist ein ganzheitliches Leben noch möglich
«Etre et avoir» ist kein bisschen weniger nostalgisch als «Amélie de Montmartre». Und Nicolas Philibert besteht darauf, zu vermitteln, dass diese Idylle sogar heute noch real ist: Die Kinderfinger sind voller Farbe. Der Lehrer ist menschlich und kein Vorzeigmonster der öffentlichen Hand. Inhaltlich wirkt der Streifen oftmals wie ein getarnter Werbefilm.
So wird der Lehrerberuf als der schönste Beruf der Welt angepriesen und die Kindheit als eine wundervolle Zeit, in die es sich lohnt, Zeit zu investieren - auch für stressgeplagte Erwachsene. Der Lehrer selbst ist Autorität des Wissens, ein wichtige Persönlichkeit in der Dorfgemeinschaft, gleichzeitig Zuhörer, Vertrauensperson, Berater und strenger Pädagoge, und sein Berufs-und Privatleben ist längst glücklichst verschmolzen.
Philiberts Portrait ist zwar rührend, aber bar jedes kritischen Ansatzes: Er hinterfragt nichts und begnügt sich damit, einen Zustand zu dokumentieren. Wie durch ein Wunder ist es ihm aber dennoch gelungen, seinen Film von kleinbürgerlicher Biederkeit fernzuhalten. Dadurch ist die Dokumentation nicht nur für Pädagogen geniessbar, sondern versprüht so etwas wie weltmännische «Naseweisheit». [Andrea Bleuler]
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Philipp: Gewöhnt an manipulative Strategien des Hollywood F... |
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Bettina: Dieser Film ist so echt und menschlich - ein Meist... |
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Fabio: einmalig schön auf zwischenmenschlicher basis... |

