Adaptation - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2002) |
| Genre: | Comedy, Drama |
| Filmlänge: | 114min |
| Regie: | Spike Jonze |
| Kinostart: | 01.05.2003 |
| 26.03.2003 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Susan Orlean |
Adaptation
Selten kommt es vor, dass ein Schreibstau zu einem solch kunstfertigen, komischen und intelligenten Resultat führt. Das Lob gebührt Drehbuchautor Charlie Kaufman, der bei «Adaptation» zum zweiten Mal, nach «Being John Malkovich» (1999), mit Regisseur Spike Jonze zusammengearbeitet hat. Wie aber soll man einen Film beschreiben, der seine eigene Entstehung thematisiert?
Kopfgeburten waren es in «Being John Malkovich», eine Kopfgeburt ist auch «Adaptation»: Nicolas Cage spielt Charlie Kaufman, das heisst, der Star des Films spielt den Autor des Films. Und wie er ihn spielt: Hadernd, introvertiert, selbstmitleidig und klar doch, unfähig, eine Frau ins Bett zu kriegen. «Adaptation» ist die Geschichte von Kaufman, wie er im Rausch des «Being John Malkovich»-Hypes und einer Oscar-Nomination den (eigentlich unmöglichen) Job übernimmt, den Tatsachen-Bericht «The Orchid Thief» der Journalistin Susan Orlean (Meryl Streep) für die Leinwand zu adaptieren. Orlean hatte über den besessenen Orchideen-Wilderer John Laroche (Chris Cooper), der in Florida einer Geister-Orchidee nachjagte, zuerst einen Magazin-Artikel im «New Yorker» veröffentlicht und diesen später zum Bestseller-Roman erweitert.
Was Kaufman bei diesem Auftrag besonders gefällt, ist der Echte-Leute-Aspekt. Keine Hollywood-Formel. Er stellt beim Gespräch mit der Produzentin Valerie (Tilda Swinton) deshalb auch klar: «Diesmal kein Sex, keine Knarren, keine Autoverfolgungsjagden» und meint, «warum sollte man keinen Film ganz einfach über Blumen machen können?» Später sitzt Kaufman hinter der Schreibmaschine und wartet auf die Inspiration. Die aber kommt nicht.
Die Quälerei beginnt. «Ess ich einen Muffin jetzt, um mich zu motivieren, oder aber später, um mich für einen ersten Abschnitt zu belohnen?» Der Film nutzt die Warterei, um kurz einen Abriss über die Adaptationsfähigkeit von Pflanzen einzuschieben, den Naturforscher Charles Darwin auftreten zu lassen, und schliesslich beim verzweifelten Entschluss Kaufmans zu landen, sich selbst ins Drehbuch hinein zu schreiben.
Damit verliert er sich endgültig im Reich der Fiktion. Hier taucht wie ein deus ex machina der etwas dümmliche Zwillingsbruder Donald (wiederum Nicolas Cage) in der Wohnung des talentierten Charlie auf. Fett und mit gelichtetem Haar auch er, im Gegensatz zum Bruder aber ungleich erfolgreicher bei Frauen. Er kündigt an, Drehbücher schreiben zu wollen. Keine intellektuellen Scripts, eher Hollywood-Knaller, gestrickt nach der abgedroschensten Serienkiller-Formel. Charlie ist entsetzt.
Im echten Leben hat Charlie Kaufman keinen Zwillingsbruder. Donald ist in «Adaptation» ganz einfach sein lebensfroheres und optimistischeres Alter ego. Weil Donald sich um Originalität foutiert, besucht er Kurse beim (realen) Drehbuch-Guru McKee (Brian Cox). Charlie ist angewidert, widerspricht solches seiner Vorstellung von Kreativität fundamental. Leben entwickelt sich nicht nach Formeln; Fiktion entwickelt sich nicht nach ... Oder doch? Charlie verzweifelt, denn Donald feiert mit dem stupiden Serien-Killer-Drehbuch den Durchbruch in Hollywood.
Charlie dreht sich im Kreis. Seine Adaptation steckt fest, irgendwo in den Sümpfen Floridas, wo auch die Reporterin Orlean der eigenen Faszination am hässlichen Larouche auf den Grund zu gehen versucht. Endlich willigt Charlie ein, mit dem Bruder zu kooperieren, was schliesslich die Geschichten zusammenführt und damit in einen szenarischen Alptraum mündet.
«Adaptation» handelt von Obsessionen. Obsessionen für Orchideen, Obsessionen fürs Schreiben, Obsessionen für Obsessionen. «Du bist das was du liebst, nicht das, was dich liebt», erklärt Donald seinem Bruder am Ende und fordert ihn auf, das reale Leben wie die Fiktion nicht dem Urteil anderer zu überlassen. Verfolgt man seine (unerklärlichen) Vorlieben mit (unerklärlicher) Liebe, so kann das - und «Adaptation» beweist es in seiner ganzen Übergeschnapptheit - zu magischen Momenten führen. [Benedikt Eppenberger]
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