A la folie... pas du tout - Filmkritik
| Aka Titel: | Wahnsinnig verliebt |
| Land (Jahr): | Frankreich (2002) |
| Genre: | Romance, Thriller |
| Filmlänge: | 92min |
| Regie: | Laetitia Colombani |
| Kinostart: | 29.08.2002 |
| 27.03.2002 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Laetitia Colombani |
Bittere Liebe
«Heute früh wurde der bekannte Kardiologe Loïc Le Garrec von der Polizei verhaftet, nachdem er in seiner Praxis eine Patientin tätlich angegriffen und verletzt haben soll.» Was denken Sie bei einer solchen Meldung? Dass nicht alles so sein muss, wie es auf Anhieb scheint, erforscht Laetitia Colombani in ihrem Debüt «A la folie... pas du tout». Sie erzählt eine düstere Liebesgeschichte, bei der es auf den zweiten Blick ankommt.
Nun gut, Loïc (Samuel Le Bihan) ist verheiratet und sogar Papa in spe. Doch die heimliche Liebe Angélique (Audrey Tautou) ist überzeugt davon, dass er seine Frau verlassen wird und sie endlich ein richtiges Paar sein können. Als Loïcs Frau das Kind verliert, wähnt sich Angélique am Ziel und setzt alles daran, ihre Träume auf einer gemeinsamen Reise endlich zu verwirklichen. Sie wartet am Flughafen - vergeblich, ihr Geliebter taucht nicht auf. Warum tut er das? Hat er Angst? Ist er doch bloss ein Mann wie alle anderen? Oder steckt mehr dahinter? Angélique will es wissen. Und Loïc auch.
Was zunächst wie eine handelsübliche Dreiecksgeschichte daherkommt, entwickelt sich alsbald zu einem Thriller mit überraschenden Momenten. Die 1976 in Bordeaux geborene Autorin und Regisseurin Laetitia Colombani hat den Figuren Persönlichkeit gegeben und die Geschichte solide verwoben, doch die Grundidee ist nicht neu und auch nicht besonders originell. Wer ab und zu einen guten Psychothriller liest, erkennt das Muster und kann sich das Ende vorab ausmalen.
Audrey Tautou muss seit «Le fabuleux destin d'Amélie Poulain» niemandem mehr vorgestellt werden und ist eine ausgezeichnete Besetzung für diesen Film. Dies allerdings weniger aufgrund ihrer schauspielerischen Leistungen, die wird sie hoffentlich in den kommenden Filmen noch unter Beweis stellen können. Vielmehr verkörpert sie in «A la folie... pas du tout» buchstäblich die Anti-Amélie. Dieser Kontrast ist spannend, gerade weil das Publikum die zuckersüss liebenswerte Amélie noch lebhaft in Erinnerung hat.
Bei den Details haben sich die Filmemacher viel Mühe gegeben. Ausstattung und Licht widerspiegeln das Innenleben der Akteure und geben auch gute Finten ab. Laetitia Colombani meint dazu: «Die Szenarien scheinen im selben Masse an Festigkeit zu verlieren, in dem die Handlung voranschreitet. So weicht das romantische Licht, das am Anfang vorherrscht, zunehmend einer beunruhigenden Färbung.» Schön und gut, das Handwerk hat sie an der Filmschule zweifellos gelernt. Damit ihr nächster Film aber ein richtiger Wurf wird, braucht es jetzt den Mut, vom Strickmuster wegzukommen und den eigenen Stil zu suchen. [Sven Schwyn]
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