Vanilla Sky - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2001) |
| Genre: | Drama, Romance, Thriller |
| Regie: | Cameron Crowe |
| Kinostart: | 24.01.2002 |
| 23.01.2002 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Cameron Crowe |
| Mateo Gil |
Alpträume eines Yuppies
Tom Cruise produziert mit Regisseur Cameron Crowe ein Remake des spanischen Thrillers «Abre los ojos». Das Puzzle aus Realität, Traum und Vorstellung ist anfangs verwirrend und komplex, beraubt sich aber zum Schluss selbst seiner Wirkung.
Fast so verschlungen wie der Erzählstrang von «Vanilla Sky» sind die Beziehungen der Filmemacher. Klatschfaktor: hoch. Der Streifen entstand auf Initiative von Tom Cruise, der gleich selbst produzierte und Cameron Crowe («Almost Famous») mit der Regieführung beauftragte. Dieses Gespann führte 1997 schon «Jerry Maguire» zu Erfolg und Oscarnominationen. Als Vorlage diente Cruise der spanische Film «Abre los ojos» von Alejandro Amenábar mit Penelope Cruz in einer Hauptrolle. Denselben Part übernimmt die Spanierin auch im Remake, was schätzungsweise zur Scheidung von Cruise und Nicole Kidman führte. Diese lenkte sich gleichzeitig durch ihre Rolle in Amenábars «The Others» ab.
«Vanilla Sky» transportiert die Geschichte von «Abre los ojos» nach Manhattan, wo David Aames (Tom Cruise) als Sprössling eines verstorbenen Verlagsmoguls das anstrengende Leben eines reichen schönen Yuppies geniesst. Die Frauen liegen ihm zu Füssen, Geld spielt keine Rolle und Steven Spielberg verkehrt an seinen Parties. Die grössten Sorgen scheinen David die ersten grauen Haare zu bescheren, die sorgfältig mit der Pinzette ausgezupft werden müssen.
In seinen eigenen Worten ausgedrückt: Aames «lebt den Traum». Vielleicht treffen diese Worte den Punkt aber genauer, als er wahrhaben will, denn schon bald ist in diesem Film nichts mehr, wie es scheint. Fröhlich springt die Geschichte vorwärts, rückwärts und zwischen verschiedenen Realitätsebenen hin und her und wirft immer mehr Fragen auf. Ist Aames ein Mörder? Leidet er an Wahnvorstellungen? Und warum verbirgt er sein plötzlich sein Gesicht hinter einer Maske? Crowe füttert immer nur einzelne Häppchen, zeigt Mosaiksteinchen, die am Anfang keinen Zusammenhang haben wollen.
Nur soviel wird klar: Davids Leben nimmt eine entscheidende Wende, als er nach zahllosen flüchtigen Affären Sofia (Penelope Cruz) kennenlernt, auf die dummerweise sein Freund Brian (Jason Lee) ein Auge geworfen hat. Unglücklich über diese Konstellation ist auch David's Geliebte Julie (Cameron Diaz), die mehr sein will als nur eine Bettgespielin. Aus Enttäuschung provoziert sie einen Autounfall mit verheerenden Folgen für Aames.
Crowe versucht zu verwirren und ein Geheimnis aufzubauen, doch gleichzeitig bleibt er kopflastig. Das Mysterium will den Weg vom Gehirn ins Rückenmark nicht finden und berührt so letzlich nur oberflächlich. Alejandro Amenábar scheint den besseren Draht zum Unterschwelligen zu haben, wie er in «The Others» beweist. Und während Crowe den Film als Puzzle aufbaut, traut er sich bis zum Schluss nicht, unklar zu bleiben, wie es David Lynch oder David Cronenberg wagen. «Vanilla Sky» wird in einer Erklärung aufgelöst, die leider zu viel zusammenfügt und zu wenig Fragen offenlässt, um das Versteckspiel wirklich zu rechtfertigen.
[Bruno Amstutz]
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