Melanie Carmichael hat in ihrem New Yorker Leben so ziemlich alles erreicht, wovon auch gesegnete Big Apple Bewohner nur träumen können: Ihre Karriere als Modedesignerin geht steil bergauf, und der begehrteste Junggeselle der Stadt liegt ihr zu Füssen. Andrew (Patrick Dempsey) ist nicht nur der Sohn der Bürgermeisterin (herrlich bissig: Candice Bergen), sondern kann auch sonst mit einigen nicht nebensächlichen Qualitäten auftrumpfen: Blendendem Aussehen, Reichtum, Charme und aufmerksamen Kleinigkeiten wie zum Beispiel einem Heiratsantrag bei Tiffanys. Bei so viel Wohlwollen der Schicksalsfee kann man es Melanie nicht übel nehmen, dass sie ausser: «Oh my God!» nicht mehr viel über die süssen Lippchen bringt.
Aber Hollywood wäre nicht Hollywood, wenn dem Glück der Exil-Südstaatlerin nicht ein paar Hürden in den Weg gelegt würden, die es zu überspringen gilt. Zum Beispiel die Scheidung von ihrem Noch-Ehemann Jake (Josh Lucas), einem liebenswerten Burschen, den Melanie vor sieben Jahren in ihrem Heimatstaat Alabama zurückgelassen hat. Die Wahl-New Yorkerin muss also zuerst ihre Vergangenheit in Angriff nehmen, bevor sie sich der Zukunft stellen kann. Oder wie es ihr Südstaaten Daddy treffend ausdrückt: «You can't ride two horses with one ass!»
Reese Witherspoon hat in letzter Zeit mit ihren Leistungen in «Legally Blonde» und «The Importance of Being Ernest» gezeigt, dass sie, obwohl ziemlich blond, alles andere als dumm ist. Sie hat durchaus das Zeug zum Superstar, was sie in dieser Komödie erneut unter Beweis stellen kann. Witherspoon meistert ihre Rolle souverän und tut ihr Möglichstes, um der Komödie etwas Frische zu geben. Leider reichen ihre und auch die übrigen überzeugenden Schauspielerleistungen nicht aus, um von den zahlreichen Mängel dieses Films abzulenken.
Regisseur Andy Tennant hat bereits mit «Ever After» (1998) und «Anna and the King» (1999) bewiesen, dass er ein goldenes Händchen für seichte, voraussehbare Kinounterhaltung hat. Sein etwas fragwürdiges Talent für romantische Komödien hat der Filmemacher zur Genüge in einer ausgiebigen Fernsehkarriere erprobt und konnte anscheinend in den letzen Jahren dem Ruf der grossen Leinwand nicht mehr widerstehen. Schade eigentlich, denn auch «Sweet Home Alabama» hat ausser akzeptabel interpretierten Charakteren und ein paar frechen Seitenhieben auf den Bürgerkrieg nicht gerade viel zu bieten.
Die Südstaatler werden als ein Haufen trinkender und babykriegender Stereotypen porträtiert, welche es sogar fertig bringen, ihre unrühmliche Vergangenheit im Nebel der Nostalgie zu verschleiern. Ihre Funktion beschränkt sich darauf, einen karikierten Hintergrund für die Beziehungskrämpfe der Protagonistin zu bilden. Die vielversprechende Dreieckskonstellation ist etwa so spannend wie in einem Bollywood Film, denn auch hier ist nach sieben Minuten klar, welchem Prinz die Eroberung der Prinzessin zugedacht ist.
Natürlich kann man von einer romantischen Komödie keinen komplexen Handlungsablauf und haufenweise überraschende Wendungen erwarten, aber ein bisschen mehr Tiefe und Originalität dürfte man doch auch Filmen dieses Genres zumuten. Tennant und seine Mitstreiter scheinen aber gerade die Voraussehbarkeit zu ihrem bevorzugten Stilmittel gekrönt zu haben. Das geht soweit, dass der Zuschauer die Dialoge schon erahnt, bevor sie den Protagonisten selbst einfallen, und nicht selten muss sogar ein treuherziger «Hound Dog» über die Drehbuchlücken hinwegbellen.
Musikalisch hat der Film zwar nicht Elvis auf Lager, aber, wie der Titel erahnen lässt, wird die Romanze treffend von der Südstaatenlegende Lynyrd Skynyrd mit ihrem Megahit «Sweet Home Alabama» berockt, dass es eine wahre, wenn auch fast die einzige Freude ist.