My Big Fat Greek Wedding - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2001) |
| Genre: | Comedy, Romance |
| Regie: | Joel Zwick |
| Kinostart: | 18.07.2002 |
| 20.12.2002 (Tessin) | |
| Drehbuch: | Nia Vardalos |
| Kamera: | Jeff Jur |
Die Sippschaft als Mitgift
Sie dachten immer, die Italiener seien das Volk mit dem ausgeprägtesten Familiensinn, dem grössten Hunger auf Festgelage, den lautesten Stimmorganen und dem sichersten Sinn für chaotische Familienzusammenkünfte? Weit gefehlt. In Wahrheit sind es die Griechen.
Solches will uns zumindest die Schauspielerin und Drehbuchautorin Nia Vardalos weismachen. Sie muss es wissen: Als Tochter eingewanderter Griechen wuchs sie im kanadischen Winnipeg inmitten einer mediterranen Grossfamilie auf. Trotzdem wagte sie es, einen Nicht-Griechen zu heiraten. Dieser Hintergrund lieferte Vardalos genug Anekdoten, um ein Bühnenstück mit dem Titel «My Big Fat Greek Wedding» zu schreiben, das sie in Los Angeles als Einfrau-Show aufführte. Als Tom Hanks eine Vorstellung besuchte, fühlte er sich heimisch. Hanks hat selbst eine griechische Frau und mit ihr eine ganze Familie geheiratet. Als Resultat der Begegnung schrieb Nia Vardalos ein Drehbuch zu «My Big Fat Greek Wedding» und sicherte sich die Hauptrolle, Tom Hanks produzierte die Kinoversion.
Herausgekommen ist eine moderne Aschenputtelgeschichte, verpackt als warmherzige Komödie. Vardalos arbeitet als Toula Portokalos im Restaurant «Dancing Zorbas», einem der zahlreichen Familienunternehmen, das sich ihre Sippe in Chicago aufgebaut hat. Toula ist dreissig, unscheinbar und, zum Leidwesen ihres Vaters (Michael Constantine), unverheiratet. Dabei hat das Familienoberhaupt klare Pläne für seine Tochter: Sie soll nach Griechenland gehen, sich einen griechischen Mann angeln und viele griechische Kinder auf die Welt stellen. Immerhin ist das Heimatland seiner Meinung nach immer noch die Wiege der Weltkultur, und jedes Wort aus dem globalen Sprachschatz lässt sich auf eine griechische Wurzel zurückführen. Dementsprechend teilt sich die Menschheit in zwei Gruppen: Die Griechen und die Nicht-Griechen, welche aber danach dürsten, von den Griechen belehrt zu werden.
Umso grösser ist sein Schock, als Toula statt in die alte Welt an die Uni geht, um Computerkurse zu nehmen, den Job wechselt, zunehmend aufblüht und als Resultat der neuen Freiheit einen «Xeno» anschleppt - einen Nicht-Griechen. Dieser heisst Ian (John Corbett), ist Lehrer und muss rasch feststellen, dass er mit Toula zusammen gleich eine ganze Sippschaft als Mitgift geliefert bekommt.
Nia Vardalos hat sich ihre Wurzeln zunutze gemacht und einen Teil ihrer Verwandtschaft aus Winnipeg einfliegen lassen, damit diese als Statisten mitwirken, und auch ein grosser Teil der Schauspielertruppe ist griechischstämmig. Für Authentizität ist also gesorgt, und die Mitwirkenden wissen, wovon Vardalos spricht, wenn sie die Eigenheiten ihrer Ethnie humor- und liebevoll überzeichnet. Denn bösartig wird die Drehbuchautorin nie - durch ihre Sticheleien gegen Patriarchat, Lärmpegel und Hektik ihrer Volksgenossen schimmert immer auch die Sympathie für Lebensfreude, Familiensinn und gutes Essen als bestes Mittel der Völkerverständigung. Das Resultat ist ein Feelgood-Movie, das Witz mit Romantik und Menschlichkeit paart und eine willkommene Abwechslung zu den romantischen Komödien reiner Hollywoodprägung liefert.
[Bruno Amstutz]
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