Monsoon Wedding - Filmkritik
| Land (Jahr): | Indien (2001) |
| Regie: | Mira Nair |
| Kinostart: | 31.01.2002 |
| 12.12.2001 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Sabrina Dhawan |
| Kamera: | Declan Quinn |
| Komponist: | Mychael Danna |
Grossfamilienfest
Mira Nair erhielt für «Monsoon Wedding» am Filmfestival Venedig 2001 den goldenen Löwen. Der Preis wurde damit an einen Film verliehen, der die Familie, das Leben und die Freude daran zelebriert. Die Grossfamilie Verma kommt von Australien, von Amerika, von überall her angereist, um die Hochzeit von Lalit Vermas Tochter zu feiern. Diese allerdings hat ein Geheimnis, von dem nur ihre Adoptivschwester bzw. Cousine weiss. Von deren Geheimnis wiederum weiss gar niemand.
Schwierigkeiten liegen in der Luft. Spätestens wenn klar wird, dass die Frau, die sich soeben mit ihrem Liebhaber getroffen hat, eine Braut (Vasundhara Das) und damit das Zentrum eines hektisch vorbereiteten Festes ist. Sie soll sich noch am selben Tag mit dem Bräutigam, den die Eltern für sie ausgesucht haben, verloben und ihn in vier Tagen heiraten. Zwar hat sie selber der Hochzeit zugestimmt, aber ihre Gefühle hinken der Kopfentscheidung deutlich hinterher. Ungeachtet ihrer Seelennöte werden die Hochzeitsvorbereitungen abgespult, der Vater (Naseeruddin Shah) ist umtriebig, die Cousinen aufgeregt, die Adoptivschwester unglücklich über das Erscheinen des Familienwohltäters. Die Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins trudeln aus aller Welt ein, der Event-Manager (Vijay Raaz) schreit ununterbrochen ins Handy und verliebt sich dabei in die Hausangestellte (Tilotama Shome), die Braut wird bei einem weiteren Rendezvous mit dem Geliebten fast verhaftet, die Adoptivschwester sagt endlich öffentlich, was ihr der vermeintliche Wohltäter angetan hat, um die kleine Cousine zu beschützen, der Brautvater macht sich Sorgen um die Sexualität seines Sohnes und will ihn ins Internat schicken, Cousinen und der Cousins kommen sich näher - kurz: Es geschieht eine ganze Menge in Monsoon Wedding.
Filmtaugliche Grossfamilie
Einiges davon ist problembeladen, anderes ist rührend, manches lustig. Das ist der Vorteil, wenn man eine grosse Familie auf die Leinwand bringt. Es sind unzählige Geschichten möglich, man muss dann quasi nur noch auswählen. Und die Drehbuchautorin Sabrina Dhawan und Regisseurin Mira Nair wählen geschickt. Sie schaffen Identifikationsfiguren und Spannung, Emotionsgeladenes und Humorvolles. Und die Kamera setzt auf die Schönheit der Bilder, die sich aus der Versammlung von Festsaris ergibt, (deren Reiz sich für ein europäisches Publikum durch die Exotik wahrscheinlich noch erhöht).
Goldener Löwe
Als «Monsoon Wedding» in Venedig den goldenen Löwen erhielt, waren die Reaktionen nicht ganz einhellig begeistert; die Entscheidung wurde von manchen als Ausweichmanöver gewertet. Tatsächlich bietet «Monsoon Wedding» wenig Kritikfläche, seine Schönheit, seine Bilder voller Farbe und Lebensfreude, die Lieder, die der Geschichte Leichtigkeit so gut wie Tiefe geben - all dies nimmt einen unmittelbar für diese Familie und für den Film ein. Am Schluss wird alles gut, und man wird mit warmen Gefühl aus dem Kino entlassen. Wie einfach aber alles gut werden kann, lässt bisweilen vermuten, dass es so schlimm nie war. Dann blitzt für Sekunden hinter all der Lebens- und Farbenfreude das Kalkül auf, das geschickt hier und dort ein Problem einstreut, damit man dem Film nicht Oberflächlichkeit vorwerfen kann. [Senta van de Weetering]
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