Gewöhnliche Menschen in aussergewöhnlichen Situationen, das ist auch hier wieder die Formel, die es dem Zuschauer ermöglicht, am Leben der Figuren teilzunehmen: Der schon etwas gealterte Skipper Billy Tyne (George Clooney) und seine Crew sind nach einem Ausflug zur «Grossen Bank» im Nordatlantik mit einem allzu kargen Fang zurückgekehrt. Vom geldgierigen Bootsverleiher Bob (Michael Ironside) in seiner finanziellen Existenz bedroht, beschliesst Billy, ein weiteres Mal auszulaufen, um bis ans flämische Kap Schwertfische aufzuspüren.
Viel mehr an Plot bietet «The Perfect Storm» nicht, die zwei Stunden Film werden aber dennoch mit genügend menschlichem Schicksal ausgefüllt, dass der Knochen nicht allzu trocken bleibt. So verweilt Petersen rund eine Dreiviertelstunde an Land, um die Gründe für die fatale Entscheidung von Billy und seiner Crew aufzuzeigen. Spezielles Augenmerk erhält dabei die Liebesgeschichte zwischen Bobby Shatford (Mark Wahlberg) und seiner Freundin Christina (Diane Lane), augenscheinlich eingebaut, um dem Zuschauer einen emotionalen Rückhalt zu bieten. Petersen verwendet dafür einige Klischees, die er allerdings mit genügend Liebe und Sorgfalt behandelt. Gleiches gilt auch für die Figuren der Fischer und deren Motive für ein weiteres Auslaufen (finanzielle Unabhängigkeit, eine sichere Zukunft). Es sind Abenteuerer wie Stadtmenschen sie sich vorstellen, und wie man sie schon oft in anderen marinen Spektakeln gesehen hat. Zwar füllen die Schauspieler ihre Rollen mit Elan aus, dramaturgisch aufwerten können diese kleinen Charakterstudien die dürftige Handlung dennoch nicht. Man muss Petersen jedoch zugute halten, dass seine Inszenierung des grossen Sturmes nahezu perfekt ist. Der Zuschauer wird nicht so sehr aufgrund des Schicksals der Figuren, sondern der überragenden Technik wegen emotional involviert.
Petersen hat eine Ahnung von charakterstarken Abenteuern, das bewies nicht nur «Das Boot» (1981) sondern auch «In the Line of Fire» (1993). Befürchtungen, dass sich Petersen schon allzu stark mit dem «Reissbrettismus» Hollywoods abgefunden hätte, widerlegt er mit «The Perfect Storm» zum Teil.
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