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O Brother, Where Art Thou?

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 Filmkritik
«O Brother, Where Art Thou?»: Bewertung der Redaktion
Eine Bluegrass Odyssee

Letzte Gelegenheit für diesen Satz: Die Coens sind für mich so etwas wie die Gebrüder Lumière des 20. Jahrhunderts. Kurz bevor das 21. anbricht, haben sie weiteres Mal das Kino neu erfunden, zum neunten Mal in ihrer gemeinsamen Karriere. Sie schicken George Clooney, John Turturro und Tim Blake Nelson durch eine furiose Bluegrass-Farce.

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Sie erzählen ihre Geschichte frei nach Homer, sehr frei allerdings: Drei Häftlingen gelingt die Flucht aus einer Strafkolonie; auf ihrer Odyssee durch das vormoderne amerikanische Hinterland kreuzen sodann eine Vielzahl von Figuren ihren Weg: Von einem Bibelhändler (John Goodman) werden sie verprügelt, von drei Sirenen verführt, von Politikern in einen Wahlkampf verwickelt, von der Polizei gejagt. Zwei glauben, sie seien hinter einem Schatz her, doch der Dritte, Clooney, weiss es besser: Den Schatz gibt es gar nicht, er will bloss heim zu seiner Penelope, die sich allerdings in absentia von ihm hat scheiden und sich von einem Solideren freien zu lassen im Begriff ist.

Eines der vielen schönen Dinge an «O Brother Where Art Thou?» ist die Bluegrass-Musik. Das ist nicht die moderne Country-Sülze, sondern Musik wie ranzige Speckschwarten, gelbe Zähne und Filzbärte. Es ist aber nicht bloss der Soundtrack zur Rezessions-Ära, sondern Ethan Coen und Joel Coen verweben die Musik in die Geschichte, die so noch schier zum Musical werden will: Nachdem die drei Flüchtigen nämlich an der Strassenkreuzung einen schwarzen Teufelsgitarristen aufgelesen haben, singen sie dem blinden Besitzer einer kleinen Radiostation für 10 Dollar ein Liedchen ins Mikrofon. Clooney singt Lead, die beiden andern machen den Männerchor, und ohne dass die drei es wissen, wird das Lied landesweit zum Megaseller und die "Soggy Bottom Boys" in effigie zu Popstars ante verbum. Es heisst übrigens, George Clooney habe selbst gesungen, und wenn das wirklich stimmt, dann ist der gesegnete Kerl um eine Eigenschaft mehr zu beneiden! Und was für ein Glück er mit den Rollenangeboten hat. Nach dem grossartigen «Three Kings» ist er erneut der Anführer eines Schatzsucher-Trios, darf dabei beweisen, dass er auch eine ganz andere schauspielerische Tonlage beherrscht.

O lasst uns dem lieben Gott für die Coen-Brüder danken! Möge er sie noch lange beieinander lassen. Dank ihnen glauben wir immer noch an Hollywood, an den Ort, wo auch solche Filme möglich sind, ja, wo für solche Filme manchmal sogar Oscars entgegengenommen werden. Es mag sein, dass «O Brother» nicht ganz so erfolgreich werden wird wie The Big Lebowski und Fargo es waren. Für den wirklichen Breitengeschmack ist der Slapstick vielleicht doch etwas zu schlacksig, das Musical zu speckig, die Komödie zu jüdisch und überhaupt der Film, wie üblich, schwer zu ettiketieren. Schön aber ist auch, dass die Coen es sich leisten können, immer wieder etwas völlig Unerwartetes zu tun, und dass sie damit eigentlich noch nie wirklich gescheitert sind, weder beim Publikum noch bei der Kritik. Ethan und Joel Coen machen zur Zeit die klügsten Unterhaltungsfilme der Welt, und damit sind offensichtlich sowohl die Klugen als auch die übrigen gut unterhalten. [Martin Glauser]


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Veronika: die Odyssee wird verwirrend und umwerfend skurrill umgesetzt

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 Abspann
Originaltitel: O Brother, Where Art Thou?
Filmlänge: 106min
Land (Jahr): USA (2000)
Genre: Krimi
Besetzung: Michael Badalucco, George Clooney, Jerry Douglas, Charles Durning, Wayne Duvall, Michael W. Finnell, John Goodman, Holly Hunter, Chris Thomas King, John McConnell, Tim Nelson, Mia Tate, Christy Taylor, John Turturro, Musetta Vander
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Kamera: Roger Deakins
Produktion: Tim Bevan, Eric Fellner, John Cameron (II), Robert Graf (II)
Verleih: UIP
Produktionsfirma: Working Title Films [uk]
Komponist: Carter Burwell, Chris Thomas King
Startdatum: 19.10.2000 (Deutschschweiz)
25.10.2000 (Romandie)



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