Dancer in the Dark
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Filmkritik

Tanz in den Tod

Seit «Breaking the Waves» (1996) wird Lars von Trier als einer der talentiertesten Filmemacher Europas gehandelt. Sein jüngstes Werk tut diesem Ruf keinen Abbruch. Am Filmfestival in Cannes wurde «Dancer in the Dark» mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Eine Mischung aus Musical und Drama macht den Film zweifellos zu einer Begegnung der anderen Art.

Als Selma Jezkova (Björk) Mitte der Sechzigerjahre aus der Tschechoslowakei in die Vereinigten Staaten auswandert, trägt sie eine schwere Last in ihrem Gepäck: Sie leidet an einer vererbten Augenkrankheit, an der sie eines Tages erblinden wird. Auch ihren zehnjährigen Sohn Gene (Vladica Kostic) soll dieses Schicksal treffen – ausser Selma kann die hohe Summe für seine Operation aufbringen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn ihr Augenlicht wird von Tag zu Tag schwächer. Wahren Trost findet Selma einzig in der Musik: Bei den Proben zum Amateurmusical «Sound of Music» kann sie ihre Sorgen vergessen. Ebenso dann, wenn die begnadete Sängerin in alltäglichen Geräuschen rhythmische Melodien hört. Ihr bitteres Geheimnis verrät sie keinem: Weder ihr Sohn Gene noch die Freundin und Arbeitskollegin Cathy (Catherine Deneuve) ahnen etwas. Erst als der Nachbar Bill (David Morse) Selma von seinen Geldsorgen erzählt, gewährt auch sie ihm einen Blick hinter ihre Maske. Eine tragische Wende nimmt die Story mit dem endgültigen Nachlassen von Selmas Sehvermögen.

Selma ist eine Frau die sich opfert, ähnlich wie Bess McNeill (Emily Watson) in «Breaking the Waves». Beide Frauen träumen vom Leben, ohne ihre Träume je wirklich gelebt zu haben. Von Trier scheint ein Faible für diesen Typ Frau zu haben. Seiner aktuellen Figur beschert er jedoch etwas Neues: Die Musik. In einer melodiösen Traumwelt gewinnt Selma Kraft und Freude zurück. Damit schafft der dänische Regisseur zwei gegensätzliche Perspektiven: Obwohl auch in «Dancer in the Dark» schwerverdauliche und emotionsgeladene Szenen auf das Publikum einprasseln, muss sich niemand auf eine seelische Talfahrt einlassen. Durch Gesang und Tanz wird die Tragik in der Handlung subtil entschärft.

Die Gratwanderung zwischen Vorstellung und Realität machen Selma zu einer faszinierenden Figur, die das Publikum in ihren Bann zieht. Dies ist ebenso der überzeugenden Darbietung Björks zu verdanken. Dass sie und von Trier sich bei den Dreharbeiten beinahe die Köpfe eingeschlagen haben ist kein Geheimnis. In Interviews proklamierte die Sängerin lautstark, dass sie die Schauspielerei gehasst habe. Doch wie schon so oft wurde aus der Not eine Tugend: Björks Auftritt als Selma sowie von Triers Film wurden in Cannes mit Auszeichnungen belohnt. Zu Recht, denn von Trier hat es geschafft, mit den Gefühlen des Betrachters zu spielen ohne sie zu vergewaltigen.

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3 Kommentare
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Thomas

GENIAL.... einfach schlichtwegs GENIAL
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Daniel

Absolut abgedreht
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Philippe Zum Kotzen ... ?. Nein, wahrlich nicht ! Also ich fand den Film einfach toll, klar: als Björk-Fan kommt man voll auf seine Kosten. Aber leider mussten auch einige Leute den Saal verlassen, weil ihne...
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