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Filmkritik

Besser als man hört

Um Liebe, Lust und Warren Beatty dreht sich fast alles in der Komödie von Peter Chelsom («Funny Bones»). In seiner ersten grossen US-Produktion beobachtet der gebürtige Brite das Sexualverhalten von Verheirateten in der Midlife Crisis. Und das ist gar nicht so misslungen, wie alle behaupten.

Es beginnt richtig gut. Der Flug über die Stadt endet im Schlafzimmer einer nackten Cellistin (Nastassia Kinski), und Porter Stoddard (Warren Beatty) zieht sich schon wieder an. Hausporno, denkt man, und da kreuzen sich «American Beauty» und «Short Cuts». Dann geht Porter nach Hause, und man denkt Woody Allen. Porters Frau Ellie ist Diane Keaton und Midlife Crisis das Thema oder, dass man ab etwa 50 fast nur das Eine will, bloss nicht mit der Ehefrau. Dabei haben es die Stoddards ja so gut: Eine famose Stadtwohnung, ein noch famoseres Landhaus, zwei famoseste Kinder (Tricia Vessey und Josh Hartnett). Und wir lachen, politisch schön unkorrekt, über den Freund der Tochter, weil der kein Wort Englisch spricht, während die Freundin des Sohnes ihren Intimschmuck auspackt.

Aber der schöne Schein trügt. Der Haussegen hängt im Grunde so tief wie der Wetterhahn auf dem Dach des Landhauses. Das zeigt sich schnell, als die Ehe von Mona (Goldie Hawn) und Griffin (Garry Shandling), der engsten Freunde der Stoddards, daran zerbricht, dass Griffin eine Geliebte hat, die ein Mann ist. Jetzt geht's drunter und drüber, es setzt ein, was man den Schneeball-Effekt nennt. Kühler wird's natürlich trotzdem nicht: Vor allem Porter durchlebt einen Selbstfindungstrip, den erst eine Nacht mit den Stofftieren der schönen Eugenie (Andie MacDowell) beendet. Zum Schluss ist einiges gut, anderes weniger.

Gar nicht gut ist für die meisten der ganze Film. In Amerika war die erste US-Produktion des Briten Peter ChelsomHear My Song», «Funny Bones») einer der grössten Flops der letzten Jahre, trotz Superstars bis in die letzte Nebenrolle. Verdächtig ist auch, dass der Film seit drei Jahren fertig ist, erst dieses Jahr aber in die Kinos kam. Drehbuchautor Buck Henry, so sagt man, habe sein Skript so lange umgeschrieben, bis es gar keine Stringenz mehr hatte. Und die Kritik ist sich darin einig, dass man Warren Beatty den Frauenhelden nicht mehr abnimmt, Diane Keaton noch nie so nichts aus einer Rolle habe machen können, und es gar nicht lustig ist, wenn in einer Komödie Charlton «Ben Hur» Heston mit einem Riesenbums der grösste Lacher sei.

Dabei ist das alles recht lustig. Wie der Film ohne rechtes Ziel vor sich hinplätschert, ein blosses Aneinanderreihen von Versatzstücken, die auch vor dem Albernsten nicht haltmachen. Wie Warren Beatty fast als Karikatur seiner alten Tage den Womanizer geben soll, ohne dass er überzeugen kann. Dass die an Woody Allens Psychoanalyse geschulte Diane Keaton sich tagein tagaus nur noch für Stoffmuster interessiert, sonst aber von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Dass der ultrakonservative Waffenfanatiker Charlton Heston sich zur Schiessbudenfigur macht, indem er die Ehre seiner Tochter mit seiner Knarre zu verteidigen sucht. Da grüsst schon fast wieder Woody Allen und sein luzides Spiel mit Geschichte und Image seiner Schauspieler. Aber Woody Allen braucht man nicht zu bemühen, und mit «American Beauty» und «Short Cuts» war sicher zuviel versprochen. «Town and Country» unterhält einfach eigenwillig gut.

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Lukas

Eine sehr gute Ensemble-Arbeit

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