Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft. Edward Norton spielt - wie immer brillant - den Erzähler, einen Versicherungsagenten mit Anzug, Aktenkoffer und Schlaflosigkeit. Ein Massentier, das sich via Markennamen und Möbelkataloge definiert. Ohne selbst krank zu sein, sucht er Wärme und Rückhalt in Selbsthilfegruppen wie den «Freunden für Hodenkrebs». Wir erkennen bereits hier: Diese Geschichte, basierend auf Chuck Palanhiuks Erstlingsroman, entwickelt sich im typisch larmoyanten, zynischen Erzählstil, der in den letzten Jahren Buchläden, TV-Serien und Werbeplakate gefüllt hat. Kein Wunder hat sich jemand wie David Fincher auf diesen Stoff gestürzt: Mit seinen rasanten Dialogen und den halbphilosophischen Betrachtungen zu Konsumverweigerung, den Popkultur-Referenzen und dem dunkel-mystisch abgefuckten Ambiente bietet die Erzählung alles, was sich ein junger Regisseur mit einem Budget von $60 Mio nur wünschen kann.
Natürlich ist es auf einer Geschäftsreise, in einem dieser unbequemen Flugzeugsessel, wo es zu der Begegnung kommt, die das Leben unseres Erzählers komplett verändern wird. Der Mann heisst Tyler Durden (Brad Pitt). Angeblich handelt er mit Luxusseifen, ist von Natur aus ein ganz cleverer Bursche und freundet sich rasch mit unserem Erzähler an. Und von da an wird es seine Aufgabe sein, das unbewältigte Wutpotential des Versicherungsmannes freizulassen. Gemeinsam gründen sie den «Fight Club», dessen einziger Zweck darin besteht, frustrierte Männer zusammenzubringen, damit sie einander gegenseitig auf die Fresse hauen. Das alles verfolgt zunächst eine rein therapeutische Absicht. Mann soll endlich wieder spüren können, dass man lebt. Ich war schon in der Schule auf dem Pausenplatz wenig angetan von dieser Variante der Selbsterfahrung und kann mich daher auch für Finchers zugegebenermassen attraktiven Kampfinszenierungen nicht recht begeistern. Es ist schade, dass der Film, dessen Tempo einen während der ersten Stunde richtiggehend in den Kinosessel drückt, seine Versprechen nicht einlösen kann. Fincher stellt sich mit seiner Geschichte selber ein Bein und muss sich letztlich dieselbe Frage gefallen lassen, die Durden im Film unseren Erzähler stellt: «Was bringt es denn, so clever zu sein?». An der Schwelle eines neuen Jahrtausends sind wir auch im Begriff, die zynisch kommentierende Geschichte als kulturellen Beitrag hinter uns zu lassen. Gefragt sind konstruktive Lösungsvorschläge. Fincher bleibt irgendwo in den tiefen 90er-Jahre stecken, und seine formale Brillanz lässt uns bloss ahnen, zu welchem Meisterwerk er fähig wäre, wenn er einmal ein wirklich starkes Drehbuch in die Hände bekäme.
Doch zurück zur Geschichte: Natürlich wird der «Fight Club» ein Erfolg, und schon bald schiessen sie überall im Land wie Pilze aus dem Boden. Durden, der ultimative Führer, sieht in diesen Clubs das Saatgut für seine revolutionären Ideen. Der Erzähler steht dumm daneben und bemerkt zu spät, was er mit der Vereinsgründung angerichtet hat. Die adoleszente Männerphantasie wird durch eine mysteriöse Frauenfigur vervollständigt, dargestellt von Helena Bonham Carter, die selten so deplaziert wirkte wie in diesem Film. Ihre Aufgabe besteht darin, ein bisschen Erotik in das von den beiden Hauptfiguren bewohnte Abbruchhaus zu bringen, was in dieser von Testosteron gefüllten Atmosphäre schon beinahe überflüssig erscheint.
Trotz seines Scheiterns ist «Fight Club» ein durchaus adäquater Beitrag in der Runde apokalyptischer Jahrtausendwende-Filme, von denen noch einige auf uns zu kommen, so etwa Schwarzeneggers End of days. Wenn nicht aus inhaltlichen, so lässt sich «Fight Club» zumindest aus stilistischen Gründen sehr wohl konsumieren.