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 Filmkritik
«Fight Club»: Bewertung der Redaktion
Wie die Faust aufs Auge

Spätestens seit Seven hält der ehemalige Musikvideo-Regisseur David Fincher in Hollywood eine Nische besetzt. Seine visuell umwerfenden Inszenierungen haben ihn als Schwergewicht in der Branche etabliert, und mit «Fight Club» setzt er die Messlatte für Kamera, Ton, Schnitt und Produktionsdesign noch einmal ein Stück höher. Kein Film hat dieses Jahr besser ausgesehen. Brad Pitt und Edward Norton tragen mit entblössten Oberkörpern zum ästhetischen Genuss bei und polieren sich die Fresse. Ob das genügt, sagt Ihnen Reto Caduff.

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Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft. Edward Norton spielt - wie immer brillant - den Erzähler, einen Versicherungsagenten mit Anzug, Aktenkoffer und Schlaflosigkeit. Ein Massentier, das sich via Markennamen und Möbelkataloge definiert. Ohne selbst krank zu sein, sucht er Wärme und Rückhalt in Selbsthilfegruppen wie den «Freunden für Hodenkrebs». Wir erkennen bereits hier: Diese Geschichte, basierend auf Chuck Palanhiuks Erstlingsroman, entwickelt sich im typisch larmoyanten, zynischen Erzählstil, der in den letzten Jahren Buchläden, TV-Serien und Werbeplakate gefüllt hat. Kein Wunder hat sich jemand wie David Fincher auf diesen Stoff gestürzt: Mit seinen rasanten Dialogen und den halbphilosophischen Betrachtungen zu Konsumverweigerung, den Popkultur-Referenzen und dem dunkel-mystisch abgefuckten Ambiente bietet die Erzählung alles, was sich ein junger Regisseur mit einem Budget von $60 Mio nur wünschen kann.

Natürlich ist es auf einer Geschäftsreise, in einem dieser unbequemen Flugzeugsessel, wo es zu der Begegnung kommt, die das Leben unseres Erzählers komplett verändern wird. Der Mann heisst Tyler Durden (Brad Pitt). Angeblich handelt er mit Luxusseifen, ist von Natur aus ein ganz cleverer Bursche und freundet sich rasch mit unserem Erzähler an. Und von da an wird es seine Aufgabe sein, das unbewältigte Wutpotential des Versicherungsmannes freizulassen. Gemeinsam gründen sie den «Fight Club», dessen einziger Zweck darin besteht, frustrierte Männer zusammenzubringen, damit sie einander gegenseitig auf die Fresse hauen. Das alles verfolgt zunächst eine rein therapeutische Absicht. Mann soll endlich wieder spüren können, dass man lebt. Ich war schon in der Schule auf dem Pausenplatz wenig angetan von dieser Variante der Selbsterfahrung und kann mich daher auch für Finchers zugegebenermassen attraktiven Kampfinszenierungen nicht recht begeistern. Es ist schade, dass der Film, dessen Tempo einen während der ersten Stunde richtiggehend in den Kinosessel drückt, seine Versprechen nicht einlösen kann. Fincher stellt sich mit seiner Geschichte selber ein Bein und muss sich letztlich dieselbe Frage gefallen lassen, die Durden im Film unseren Erzähler stellt: „Was bringt es denn, so clever zu sein?". An der Schwelle eines neuen Jahrtausends sind wir auch im Begriff, die zynisch kommentierende Geschichte als kulturellen Beitrag hinter uns zu lassen. Gefragt sind konstruktive Lösungsvorschläge. Fincher bleibt irgendwo in den tiefen 90er Jahre stecken, und seine formale Brillanz lässt uns bloss ahnen, zu welchem Meisterwerk er fähig wäre, wenn er einmal ein wirklich starkes Drehbuch in die Hände bekäme.

Doch zurück zur Geschichte: Natürlich wird der «Fight Club» ein Erfolg, und schon bald schiessen sie überall im Land wie Pilze aus dem Boden. Durden, der ultimative Führer, sieht in diesen Clubs das Saatgut für seine revolutionären Ideen. Der Erzähler steht dumm daneben und bemerkt zu spät, was er mit der Vereinsgründung angerichtet hat. Die adoleszente Männerphantasie wird durch eine mysteriöse Frauenfigur vervollständigt, dargestellt von Helena Bonham Carter, die selten so deplaziert wirkte wie in diesem Film. Ihre Aufgabe besteht darin, ein bisschen Erotik in das von den beiden Hauptfiguren bewohnte Abbruchhaus zu bringen, was in dieser von Testosteron gefüllten Atmosphäre schon beinahe überflüssig erscheint.

Trotz seines Scheiterns ist «Fight Club» ein durchaus adäquater Beitrag in der Runde apokalyptischer Jahrtausendwende-Filme, von denen noch einige auf uns zu kommen, so etwa Schwarzeneggers End of days. Wenn nicht aus inhaltlichen, so lässt sich «Fight Club» zumindest aus stilistischen Gründen sehr wohl konsumieren.

User-Comment:

«Der Kommentar von Reto Caduff spricht aus zu vielen Erwartungen. Der Titel des Films sagt alles, ein hochdramatisches Heldenepos zu erwarten wäre falsch. Die Story ist einfach, klar und kommt ohne alle Floskeln und Girlanden aus. Wer sich einfach unterhalten lassen möchte und einen Film sehen will, ohne sich nachher Stundenlang unterhalten zu müssen, der ist hier goldrichtig. Es ist einer der wenigen Filme in letzter Zeit, bei dem beide Geschlechter auf Ihre Kosten kommen.» (Sergio)


 Eure Kommentare

Daniel: Einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Edward Norton, Brad Pitt ...
Olivia: Warum nur finden alle diesen Film so WAHNSINNIG toll????
Louisa: ich habe das buch nicht gelesen und dennoch bin ich mehr als beg...
Kevin: Ich hab den Film damals im Kino gesehen. Da fand ich ihn grausam ...
Kristof: Hammerharter Streifen. Cooler gehts nicht.
Michael: Kann meine Vorredner nur bestätigen. Vielleicht wäre es gar nic...

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 Abspann
Originaltitel: Fight Club
Land (Jahr): USA (1999)
Besetzung: Brad Pitt, Edward Norton, Helena Bonham Carter, Meat Loaf, Zach Grenier, Jared Leto, Eion Bailey, Ezra Buzzington, Joon B. Kim, Peter Iacangelo, Holt McCallany, Richmond Arquette, Evan Mirand, Joel Bissonnette, Stuart Blumberg, Phil Hawn, Rachel Singer
Regie: David Fincher
Drehbuch: Jim Uhls
Kamera: Jeff Cronenweth
Produktion: Ross Bell, Cean Chaffin, Art Linson
Produktionsfirma: Fox 2000 Pictures
Komponist: Howard Shore
Startdatum: 04.11.1999 (Deutschschweiz)
10.11.1999 (Romandie)



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