Aki Kaurismäkis Filme sind erzählerisch meist sehr einfach gestrickt, ja, eigentlich sind es Kurzfilm-Storys in nahezu Spielfilmlänge. So ist beispielsweise die Geschichte von «I Hired a Contract Killer» aus dem Jahr 1990 ebenso simpel wie genial: Ein Mann engagiert seinen eigenen Auftragskiller, da er für Selbstmord zu zart besaitet ist. Kurz darauf verliebt er sich und gewinnt seine Lebensfreude zurück, doch der Killer ist für eine Auftragsstornierung unauffindbar. Das Sujet des Verlierertyps hat denn auch in den darauf folgenden Filmen Kaurismäkis immer wieder Verwendung gefunden. So auch in der Trilogie (der Meister nennt sie so) die nach «Drifting Clouds» sowie «The Man without a Past» mit «Lights in the Dusk» ihr Ende nimmt. Waren in den beiden ersten Werken die Arbeits- bzw. Obdachlosigkeit prägend, so steht «Lights» unter dem Motto der Einsamkeit.
Koistinen, die Hauptfigur, ist Sicherheitsangestellter in einem Einkaufzentrum in Helsinki. Er führt ein trostloses Leben in einer scheinbar menschenleeren Stadt. Die Arbeitskollegen, die, wenn's hoch kommt, grad mal seinen Namen wissen, und eine junge Frau in einer Würstchenbude sind seine einzigen sozialen Kontakte. So führt Koistinen ein tristes Leben zwischen seiner Wohnung, dem Shoppingcenter, ein paar Bars und dem «Grilli», wie die Würstchenbude lustigerweise auf Finnisch heisst. Eines Tages spricht ihn eine unbekannte, kühle Blondine an. Die beiden gehen aus und man hat das Gefühl, Koistinen mag die Frau, auch wenn sein lebloses Gesicht die Vermutung in keiner Weise stützt. Doch das «Glück» währt nicht lange, die mysteriöse Blondine wurde nämlich von einer Verbrecherbande beauftragt, dem Naivling den Zugangscode zum Kaufhaus abzuluchsen. Es kommt also wie es kommen muss: Die bösen Jungs rauben ein Juweliergeschäft aus und Koistinen wandert als einziger Verdächtiger hinter Gitter. Notabene ohne einen Versuch zu machen, seine Unschuld zu beweisen.
Die weitere Handlung können wir uns getrost sparen, denn es geht im selben bedauerlichen Stil weiter. Als Zuschauer fehlt einem jeglicher Bezug zur Hauptperson, welcher erst gegen Ende der Story und nach etlichen Demütigungen doch noch ein kleines Bisschen der Kragen platzt. Koistinens apathische Art vermag schlicht nicht zu berühren.
Die langen Einstellungen, der mit Ausblendungen arbeitende Schnitt sowie die menschenleeren Strassen und die wortkargen Figuren versprühen zwar eine unverwechselbare Melancholie. Und Kaurismäki wird seinem Ruf als Meister des Grotesken gerecht, wenn im Radio plötzlich eine Sendung über die physischen Eigenschaften von Skorpionen läuft. Doch früher oder später macht sich bei soviel absurder Teilnahmslosigkeit die ach so reale Langeweile breit. Muss man nun Finne oder Finnin sein? Es könnte durchaus helfen.
typisch finnisch. lange überlegen vor dem Sprechen oder gar nicht sprechen, sein Innenleben für sich behalten und Teilnahmslosigkeit demonstrieren, Kühle, Kälte und Dunkelheit. Das aber eben auch noch...
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