Inside Man - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2006) |
| Genre: | Crime, Drama, Thriller |
| Regie: | Spike Lee |
| Kinostart: | 23.03.2006 |
| 12.04.2006 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Russell Gewirtz |
| Kamera: | Matthew Libatique |
Das perfekte Verbrechen?
Bekannt ist Spike Lee für sozialkritische Milieustudien, Genrefilme sind seine Sache normalerweise nicht. «Inside Man» ist da eine Ausnahme, denn der Vorzeige-Afroamerikaner Hollywoods nimmt sich hier des Einbruchsfilms an; vier Gangster planen den perfekten Bankraub.
In den Zeiten von Online-Banking und totaler elektronischer Überwachung haben genial geplante Einbrüche viel von ihrem filmischen Reiz eingebüsst: Ein Computer-Freak, der vor einem Bildschirm sitzt und sich in ein Bankennetzwerk hackt, gibt für einen Film wenig her - eine Einsicht, zu der der Zuschauer beim fast zeitgleich anlaufenden «Firewall» gelangt. Glücklicherweise ist der von Gangster-Oberhirn Dalton Russell (Clive Owen) ausgeheckte Coup alles andere als ein normaler Bankraub und Russell selbst kein gewöhnlicher Dieb.
Gleich zu Beginn begehen Russell und seine Leute scheinbar einen kapitalen Fehler: Sie nehmen die Bankangestellten und Kunden als Geiseln, verschanzen sich in der Bank und stellen Forderungen. Geiselnahmen gehen aber selten gut, das weiss auch der eilig herbeigerufene Verhandlungsspezialist Keith Frazier (Denzel Washington). Warum also die Forderung nach freiem Abzug und einem voll getankten Jet? Derweil sich Frazier und Russell ein Katz-und-Maus-Spiel liefern, bleibt man auch andernorts nicht untätig. Madeleine White (Jodie Foster), Spezialistin für delikate Aufgaben aller Art, erhält vom Besitzer der belagerten Bank den Auftrag, den kompromittierenden Inhalt eines Schliessfaches sicherzustellen - wieder ein Hinweis, dass mit dieser Geiselnahme etwas nicht stimmt.
«Inside Man» ist ein clever gebauter Film, der die Erwartungen des Zuschauers immer wieder zu unterlaufen sucht und manch smarten Dialog auf Lager hat. Obwohl Frazier den richtigen Riecher hat, ist Russell immer zwei Schritte voraus und führt die Polizei stets von neuem an der Nase herum. Regisseur Spike Lee dürfte wohl genau diese Cleverness an Russell Gerwitzs Drehbuch gereizt haben; hier wird nicht nur einfach Unterhaltung angestrebt, sondern so etwas wie eine Apotheose des Einbruchfilms; standesgemäss dürfen da auch zahlreiche Filmzitate und ironische Verweise nicht fehlen.
Lees Film unterhält perfekt; Owen ist unglaublich cool und Washington so gut wie selten; allerdings ist «Inside Man» aller Mätzchen und Twists zum Trotz nicht ganz so gewitzt, wie er zu sein vorgibt. Alle, die «Die Hard» gesehen haben - und das sind nicht wenige -, dürften schon früh ahnen, was es mit dieser Geiselnahme wirklich auf sich hat. Auch die Rolle Forsters wirkt ein wenig überflüssig und - für das Gewicht, das sie in der Story effektiv hat - ziemlich überbesetzt. So ist «Inside Man» zwar nicht der endgültige Einbruchsfilm, aber sicher etwas vom Besten, was Hollywood derzeit in Sachen Unterhaltungskino zu bieten hat. [Simon Spiegel]
weitersagen


