Warum ein einziger Superheld, wenn man auch vier auf einmal haben kann? Als sich Stan Lee und der Marvel-Verlag Anfang der 60er Jahre auf die Suche nach einem Superhelden für eine neue Comicreihe machten, war die Konkurrenz gross. Um gegen Titanen wie Superman und Batman anzukommen, die für andere Verlage kämpften, erfand Lee kurzerhand ein ganzes Team neuer Helden, die als «Die Fantastischen Vier» auch in unseren Landen bekannt wurden. Und für alle jüngeren Kinozuschauer: Nein, Stan Lee hat den Namen nicht von der deutschen Hip Hop-Gruppe geklaut.
Erzählt wird im Film die Story rund um den Wissenschaftler und Astronauten Dr. Reed Richards (Ioan Gruffudd). Mit seiner Crew sowie dem machthungrigen Geldgeber Victor Von Doom (Julian McMahon) macht er sich auf ins All, um im Zentrum einer kosmischen Wolke das menschlichen Genom zu entschlüsseln. Doch natürlich kommt es zum grossen Unfall, bei dem alle Beteiligten eine Überdosis der giftigen Sternenstrahlung abbekommen.
Wieder daheim auf der Erde, finden sie sich mit allerlei seltsamen Symptomen konfrontiert. Richards selbst kann, wenn er will, sich wie ein Gummiband ausdehnen, seine Kollegin und Beinahe-Ehefrau Sue (Jessica Alba) macht sich auf Wunsch unsichtbar, ihr stürmischer Bruder Johnny (Chris Evans) wird zur menschlichen Fackel und Richards Freund Ben Grimm (Michael Chiklis) verwandelt sich in eine wandelnde Steinskulptur. Während die vier noch daran tüfteln, wie sie die Mutationen wieder rückgängig machen können, taucht mit dem ebenfalls mutierten, metallisch glänzenden Von Doom ein Bösewicht auf, der die Gruppe um die Ecke bringen will. Also raufen sich die vier frischgeborenen Superhelden auf, um Von Doom eins auf die Finger zu geben.
Die vielversprechende Entwicklung, die die Comicverfilmungen zuletzt einschlugen («Spiderman», «Batman Begins»), wird bei «The Fantastic Four» munter ignoriert. Auf ebenso oberflächliche wie langweilige Weise wird die Transformation der vier Wissenschaftler zu Superhelden Schritt für Schritt nacherzählt und zuletzt ein eher harmloser Bösewicht ohne grosses Tamtam unschädlich gemacht. Für etwas Tiefgang soll offenbar die Figur von Ben Grimm sorgen, der sich als versteinerte Version von Hulk verständlicherweise als ausgestossener Freak fühlt. Doch auch dieser Aspekt wird äusserst halbherzig behandelt und geht im abschliessenden lauten Finale unter.
Auch wenn bereits die Comicvorlage nicht dieselben starken Figuren wie andere Superheldenstorys aufweist, ist es doch bedauerlich, dass der Kinoauftritt der Fantastic Four so fantastisch nicht ist, sondern im Gegenteil leider ganz schön armselig daherkommt.