Phone Booth - Filmkritik
| Aka Titel: | Nicht auflegen! |
| Land (Jahr): | USA (2002) |
| Genre: | Thriller |
| Filmlänge: | 81min |
| Regie: | Joel Schumacher |
| Kinostart: | 07.08.2003 |
| 06.08.2003 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Larry Cohen |
Bei Anruf Sühne
Da spaziert einer den Broadway runter und wird in einer Telefonzelle buchstäblich an die Strippe gefesselt: Der Ire Colin Farrell muss im Thriller «Phone Booth» den Gang nach Canossa antreten.
Langweilig ist der Film sicher nicht, die Story über weite Strecken recht packend. Originell ist auch die Grundidee, derzufolge der Film fast durchwegs in einer Telefonzelle spielt. Doch leider ist daraus kein nuancierter Thriller geworden. Lieber setzten Drehbuchautor Larry Cohen und Regisseur Joel Schumacher («Bad Company») auf Bewährtes und spannten die Furien vor den Karren, die seit dem 11. September die amerikanische Seele geisseln: «Phone Booth» dreht sich um Medienhype, Paranoia und religiösen Eifer.
Hauptfigur Stu Shepard (Colin Farrell) liebt den schönen Schein. Im schicken Outfit flaniert der PR-Mann durch die Strassen Manhattans und erledigt seine Geschäfte auf gleich zwei Handys. Seine Klientel: Popstars oder solche, die es werden wollen. Als sich der Mann in eine Telefonkabine begibt, um seiner Geliebten (Katie Holmes) anzurufen, ohne verdächtige Spuren auf der Telefonrechnung zu hinterlassen, klingelt es: Die fiese Stimme am anderen Ende (Kiefer Sutherland) will dem Yuppie eine tödliche Kugel verpassen, sofern er den Hörer aufhängt.
Weshalb das Theater? Für seine Selbstherrlichkeit soll Stu büssen. Dafür, dass er seine Frau (Radha Mitchell) betrügt, immerzu auf den eigenen Vorteil bedacht ist, sich und andere belügt. Natürlich kommt die Läuterung des Helden in Gang - vor laufenden Kameras - und gipfelt schliesslich in einer Szene, in welcher sich Stu in eine Heiland-Pose wirft. Ist der Film nun endgültig ins Lächerliche gekippt, hat auch der letzte Zuschauer die moralische Message des Films begriffen: Jeder von uns könnte zur Rechenschaft gezogen werden.
Immer wieder gern gesehen: Forest Whitaker, der in der Rolle des sensiblen Polizisten zwar auch nicht gerade zu Topform aufläuft. Beim Publikum fiel «Phone Booth» trotz der vorwiegend schlechten Kritiken nicht durch: Der bloss 80 Minuten lange Streifen schlug sich mit Einnahmen von 46 Mio. US Dollar am Box Office tapfer.
[Björn Schäffner]
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