Jacques Audiard (* 30. April 1952 in Paris) ist ein französischer Regisseur und Drehbuchautor. Bekanntheit erlangte er in seinem Heimatland durch Genrefilme wie Lippenbekenntnisse (2001) oder Der wilde Schlag meines Herzens (2005) mit denen er sich als einer der wichtigsten Vertreter im gegenwärtigen französischen Kino etablierte.
[>>]Quelle: Wikipedia
Jacques Audiard (* 30. April 1952 in Paris) ist ein französischer Regisseur und Drehbuchautor. Bekanntheit erlangte er in seinem Heimatland durch Genrefilme wie Lippenbekenntnisse (2001) oder Der wilde Schlag meines Herzens (2005) mit denen er sich als einer der wichtigsten Vertreter im gegenwärtigen französischen Kino etablierte.
Biografie
Ausbildung und Erfolg als Drehbuchautor
Jacques Audiard wurde 1952 in Paris als Sohn des bekannten Drehbuchautors und Regisseurs Michel Audiard geboren. Als Jugendlicher widerstand er zuerst, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten. Audiard begann ein Studium der Literatur und Philosophie an der renommierten Pariser Universität Sorbonne, um Lehrer zu werden. In seinen Semesterferien kam er jedoch als Praktikant bei einem Cutter mit dem Medium Film in Berührung. Audiard gab daraufhin sein Studium auf und begann als Assistent von Cuttern im Filmgeschäft allmählich Fuss zu fassen, so u. a. 1976 bei Roman Polanskis Psychothriller Der Mieter oder Patrice Chéreaus Drama Die letzte Ausgabe (1978). Zur selben Zeit widmete sich der Neffe eines Filmproduzenten auch der Theaterarbeit und adaptierte Literarische Werke für Bühneninszenierungen.
Anfang der 1980er Jahre trat Jacques Audiard, als Drehbuchautor erfolgreich in die Fussstapfen seines Vaters. 1983 schrieb er gemeinsam mit Michel Audiard das Drehbuch zum Psychothriller Das Auge, eine Adaption von Marc Behms gleichnamigen Roman. In dem Film von Claude Miller mit Michel Serrault, Isabelle Adjani und Stéphane Audran in den Hauptrollen besetzt, glaubt der Titelheld, ein gealterter Detektiv, in der schönen Mörderin Catherine seine verstorbene Tochter wieder zu erkennen. Das Auge wurde von der Kritik gelobt und ein Jahr später für fünf Césars nominiert, dem wichtigsten französischen Filmpreis. Es folgten Drehbücher für Filmproduktionen von Edouard Niermans, Josiane Balasko oder Michel Blanc. Neben seiner Arbeit als Drehbuchautor versuchte sich Audiard in dieser Zeit auch als Regisseur von Kurzfilmen.
Karriere als Regisseur
Durch den Erfolg seiner Drehbücher konnte Jacques Audiard im Jahr 1994 seinen ersten eigenen Film realisieren. In dem Thriller Wenn Männer fallen spielt Jean Yanne die Hauptrolle des Simon, einem auf die sechzig zugehenden Handelsvertreter, der den Mord an seinen Freund, einen Polizisten, aufklärt. Audiards Regiedebüt, in weiteren Rollen mit Jean-Louis Trintignant und Mathieu Kassovitz besetzt, wurde von der Kritik positiv aufgenommen und gewann 1995 drei Césars, u. a. in der Kategorie Bestes Erstlingswerk. Mit dem jungen Matthieu Kassovitz in der Hauptrolle drehte der Regisseur auch seinen zweiten Film Das Leben: Eine Lüge, die Adaption eines Romans von Jean-François Deniau. In dem Drama kommt der Protagonist Albert Ende des Zweiten Weltkriegs Familiengeheimnissen auf die Spur. Sein Vater war kein Kriegsheld und seine Mutter sympathisierte mit den deutschen Soldaten. Mit Das Leben: Eine Lüge konnte Audiard erfolgreich an sein Erstlingswerk anknüpfen. Die Produktion wurde auf den internationalen Filmfestivals von Stockholm und Valladolid preisgekrönt und 1997 für sechs Césars nominiert, darunter die erste Nominierung für Jacques Audiard als Bester Regisseur.
Audiards dritter Langspielfilm folgte erst fünf Jahre nach Das Leben: Eine Lüge. Dazwischen drehte er den Kurzfilm Norme française (1998) und verfasste gemeinsam mit Regisseurin Tonie Marshall und Marion Vernoux das Drehbuch zu Marshalls preisgekrönter Komödie Schöne Venus, die Audrey Tautou 1999 in Frankreich zum Star machte. Im Jahr 2001 folgte der Thriller Lippenbekenntnisse, das auf einem Original-Drehbuch von Audiard und Tonino Benacquista basiert. Hier spielt Vincent Cassel den frisch aus dem Gefängnis entlassenen Dieb Paul, der eine Liaison mit einer hörgeschädigten Sekretärin (gespielt von Emmanuelle Devos) eingeht und eine Gruppe von Kriminellen betrügt. Mit dem Thriller war Jacques Audiard erneut Erfolg bei Kritikern und Publikum beschieden und das Werk wurde 2002 insgesamt neun Mal für den César nominiert, darunter in den Kategorien Bester Film, Regie und Drehbuch. Zwar unterlag Lippenbekenntnisse in den wichtigsten Kategorien Jean-Pierre Jeunets weltweit gefeierter Komödie Die fabelhafte Welt der Amélie, doch gewann das Werk drei Césars, darunter den Preis für das Beste Drehbuch und Emmanuelle Devos als Beste Hauptdarstellerin. 2005 wiederholte Jacques Audiard die Zusammenarbeit mit Tonino Benacquista und schrieb mit ihm das Drehbuch zu Der wilde Schlag meines Herzens, ein Remake von James Tobacks B-Movie Finger - Zärtlich und brutal aus dem Jahr 1978. Das Werk in dem Romain Duris den musikalisch begabten Tom mimt, der zwischen einer kriminellen Karriere in der Pariser Immobilienszene und der als Konzertpianist abwägen muss, stellt den bisher grösste Erfolg des französischen Regisseurs und Drehbuchautors dar. Audiard wurde für seine im Vergleich zum Original düstere und realistischere Inszenierung von der internationalen Kritik gefeiert und zog in Frankreich eine Million Zuschauer in die Kinos. Das Drama erhielt 2006 zehn Nominierungen für den César, und konnte sich in acht Kategorien durchsetzen. Audiard erhielt die Trophäen für den besten Film, Regie und das beste adaptierte Drehbuch.
Jacques Audiard gilt mittlerweile als Meister des französisches Thrillers, obwohl er selbst von sich sagt keine Genrefilme zu drehen. Für seine realistischen, düsteren Inszenierungen geniesst er internationale Achtung bei seinen Regiekollegen. Der Filmemacher, der in seiner Heimat als potentieller Nachfolger von Regisseuren wie Jean-Pierre Melville (1917-1973) oder Henri-Georges Clouzot (1907-1977) gehandelt wird, wollte im Jahr 2006 seinen fünften Langspielfilm Les Disparus (dt.: "Die Vermissten") inszenieren. Der Thriller sollte die dritte Zusammenarbeit zwischen Jacques Audiard und Tonino Benacquista begründen und eine Pariser Mutter (gespielt von Juliette Binoche) in den Mittelpunkt stellen, die dem mysteriösen Verschwinden ihrer 14-jährigen Tochter auf die Spur kommt. Das Projekt zerschlug sich jedoch und der Regisseur stellte drei Jahre später den Gefängnisfilm Un prophète fertig, der von französischen Kritikern als bisher bester Film des Regisseurs bewertet wurde. Die Geschichte über einen jungen Waisenjungen maghrebinischer Abstammung (gespielt von Tahar Rahim), der mit Hilfe der korsischen Mafia zum einflussreichen Kriminellen avanciert, erhielt 2009 den Grossen Preis der Jury im Wettbewerb der 62. Filmfestspiele von Cannes.
Neben seiner Arbeit für den Film inszenierte Jacques Audiard auch mehrere Musikvideos, darunter den Clip Comme elle vient der französischen Rockband Noir Désir in dem Taubstumme den Liedtext in Zeichensprache interpretieren. Die Anfangssequenz mit ihrem untertitelten Dialog rief in Frankreich einen kleinen Skandal hervor. In ihr führen drei Frauen eine politische Diskussion und kommen zu dem Ergebnis, dass es besser sei taub zu sein, als Politikern zuzuhören. Als Schauspieler agierte Audiard in Nebenrollen 1990 in Alain Robaks Horrorfilm Baby Blood, sowie 1994 in Denise Abaglias Fernsehfilm Wer kriegt denn hier ein Baby?.
[<<]Dieser Text basiert auf einem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.