RRR Indien 2022 – 182min.

Filmkritik

Wenn Tiger und Wolf aufeinandertreffen

Filmkritik: Teresa Vena

Dass die Aktion zur Rettung der kleinen Malli riskant werden würde, war Bheem klar. Nicht aber, dass er es dabei aber nicht nur mit dem englischen Polizeikorps, sondern auch mit dem gnadenlosen Ram zu tun haben würde. Der indische Regisseur S. S. Rajamouli stilisiert diesen mitreissenden Actionfilm zu einem Manifest gegen die englische Kolonialherrschaft.

Zu einer unbestimmten Zeit vor Indiens Unabhängigkeit von den Briten treffen zwei Männer, beide Anführer ihres jeweiligen Clans, aufeinander. Es verbindet sie sofort eine tiefe Freundschaft, denn noch wissen sie nicht, dass sie eigentlich Rivalen sind. Ram (Ram Charan) gehört zum Polizeikorps der Engländer, und Bheem (N.T. Rama Rao Jr.) muss an eben diesem vorbei, um die kleine Malli, die in der Residenz des Gouverneurs Scott (Ray Stevenson) gefangen gehalten wird, zu befreien und nach Hause zu holen. Von dieser bevorstehenden Rettungsaktion ist Ram unterrichtet, doch kennt er Bheems wahre Identität und dessen Vorhaben nicht. Könnte er Bheem fangen, würde er zum Sonderagenten befördert und bekäme Zugang zum Waffenlager der Engländer. Ram ist fest entschlossen, sich von nichts und niemandem von diesem Ziel abzubringen, auch wenn das bedeutete, dass er Bheem opfern müsste.

Alles sei völlig fiktiv, die Figuren, die geografische und zeitliche Verortung der Geschichte, die aufgeführten Tänze, die verschiedenen Bräuche, die Religionen und natürlich die Handlung selbst. Doch offen erkennbar ist der ideologische Rahmen, aus dem sich dieses explosive Spektakel von der ersten Einstellung an entwickelt. Das Feinbild ist Grossbritannien, das sich in Form seiner Repräsentanten vor Ort als unmenschlich, zutiefst rassistisch und sadistisch zeigt. Es ist in diesem ungerechten und selbstgerechten Verhalten der Kolonialherren allein begründet, dass das Gleichgewicht der indischen Völker untereinander gestört ist. Nur deswegen sind die beiden Protagonisten von ihrer rasenden Wut getrieben und sehen sich gezwungen, zu den Waffen zu greifen und zu töten. So sehr dieser Aspekt der verspäteten Vergeltung der Kolonialherrschaft in seiner Brutalität stellenweise überfordern mag, kann man «RRR» auch als mitreissenden Actionfilm wertschätzen.

Die Fronten sind klar, der Konflikt wenig differenziert und die Figurenzeichnung entsprechend oberflächlich. Anfänglich ist man irritiert, eine Irritation, die daher rührt, weil alles so dermassen übertrieben ist, an Pathos, an ohrenbetäubender Musik, an übersättigten Farben und visuellen Effekten. Doch dann bereitet es einem eindeutig Vergnügen, wenn sich die beiden Freunde mit einem Seil um den Bauch von einer Brücke werfen, um ein kleines Kind vor einem Feuer zu retten, wenn Bheem mit einem Tiger kämpft, Ram sich durch einen Menschenmob prügelt oder sich die beiden gemeinsam auf dem Motorrad respektive Pferd die sie jagenden Engländer loswerden. Der Film hat Stunts, die es problemlos mit den grössten Produktionen des Hollywoodkinos aufnehmen können.

«RRR» ist allerdings auch nicht zimperlich, wenn es um die Darstellung von Gewalt geht. Durch die immer wieder ins kitschige kippende Ästhetik, einige opulente Tanzszenen, gezielte humoristische Einfälle und die sichtbar verfremdende, wenn auch herausragend bewerkstelligte digitale Bearbeitung erzeugt der Film aber ein notwendiges Gegengewicht dazu.

31.03.2022

3

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