Peter von Kant Frankreich 2022 – 90min.

Filmkritik

Amir amour

Théo Metais
Filmkritik: Théo Metais

Zur Eröffnung des Berliner Filmfestivals adaptiert der Filmemacher François Ozon das Werk von Rainer Werner Fassbinder mit der meisterhaften Darbietung von Denis Ménochet.

1972 schrieb Rainer Werner Fassbinder mit «Die bitteren Tränen der Petra von Kant» ein Theaterstück, welches er später als Film adaptierte. Ein Film, der zum Kultfilm wurde und dieses Jahr von François Ozon zur Eröffnung der Berliner Filmfestspiele wieder aufgenommen wurde. Petra wird zu Peter, und Denis Ménochet verkörpert Kant am Beginn einer zyklopischen Liebesgeschichte. Kant verliebt sich in den 23-jährigen Amir, der ihm von seiner ehemaligen Muse Isabelle Adjani, vorgestellt wird. Er verspricht ihr, ein Star zu werden und die Welt zu erobern. «Amir, Amour», flüstert er ihm zu und es funktioniert. Peter verliebt sich in Amir und verliert komplett den Boden unter den Füssen. Eine Adaption, die einen umhaut, serviert als zeitgenössisches Drama. Bestialisch, sensibel und monströs talentiert, Denis Ménochet enthüllt uns sicherlich eine seiner schönsten Partituren.

Die Geschichte eines Mannes, der einen anderen liebte, in der Abgeschlossenheit dieser Wohnung in Köln, denn draußen wäre nichts erlaubt. Und dieser junge Karl, sein Mann für alles, der alles mitbekommt und nie ein Wort sagt. In diesem verschlossenen bürgerlichen Theater ist es schwierig, den Mann vom Filmemacher, den Liebhaber vom Schauspieler zu unterscheiden. François Ozon filmt die Körper und die Walzer des Herzens mit einer erstaunlichen Anmut. Mit 78 Jahren schenkt uns Hanna Schygulla, eine Figur aus Fassbinders Originalfilm, eine engelhafte Erscheinung in der Rolle der Mutter des Filmemachers. Eine fabelhafte Arbeit mit Licht und Farben begleitet Peters Abstieg in die Tiefen der Verzweiflung. Von seiner christlichen Liebe bis zum Gin, von dem er trinkt wie von einem Jungbrunnen, gibt es viele bittere Tränen, die über Peters Gesicht laufen wie tausend Liebesstreifen.

Übersetzung aus dem Französischen von Théo Metais durch Zoë Bayer.

19.09.2022

4

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Kommentare

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thomasmarkus

vor 3 Tagen

Kenn das Original nicht, aber Film nimmt einen auch so mit...


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