Notre-Dame in Flammen Frankreich 2021 – 110min.

Filmkritik

Die Leidenschaft ist erloschen

Filmkritik: Eleo Billet

Fast drei Jahre nach dem Brand, der die Kathedrale Notre-Dame verwüstete und die ganze Welt erschütterte, greift Jean-Jacques Annaud die Geschichte, die ihm am Herzen liegt, auf, um das Ereignis nachzuvollziehen. Ein ehrgeiziger Wille, der Geschichte schreiben würde, wenn er nicht durch seine Form sabotiert würde, die an die schlimmsten US-amerikanischen Katastrophenfilme erinnert.

Paris, 15. April 2019, es ist nach 18 Uhr und nach einem für die Kathedrale eintönigen Tag ertönt während der Messe der erste Feueralarm. Der Alarm wird schnell wieder aufgehoben, als bereits Rauch aus dem Dachgeschoss aufsteigt. Ein zweiter Alarm folgte und es ging Schlag auf Schlag. Von nun an begann ein 15-stündiger Wettlauf gegen die Zeit, in dem die Gebäudeerhalter und Feuerwehrleute gegen die Flammen und die überfüllte Stadt kämpften.

In diesem Drama gab es keine Opfer zu beklagen, abgesehen von dem religiösen Gebäude, das noch wieder aufgebaut werden muss. Aber was eignet sich besser als Thema für einen Blockbuster als ein Ereignis, das Millionen von Menschen den Atem stocken liess, zumal es durch zahlreiche Videos verewigt wurde. Die Videos, die über den gesamten Film verteilt sind, stellen einen Bruch mit der Fiktion dar und ermöglichen es den Schauspielern, die vor Ort erfassten Gefühle neu zu interpretieren, oder sie unterstreichen die Allgemeingültigkeit der Erschütterung der Zeugen, die über ihren persönlichen Glauben hinausgeht. Dies hindert den Regisseur jedoch nicht daran, die unangemessene Kritik an der Nutzung der Technologie durch Jugendliche zu verstärken.

Mit seiner kaleidoskopischen Montage macht Jean-Jacques Annaud deutlich, was er will. Zwar sind einige Passagen der Erzählung romantisiert, aber sie verbinden die Ereignisse, wie sie von den Feuerwehrleuten berichtet wurden. Vor allem aber handelt der Film von einem Brand, dessen Ursprung nach wie vor umstritten ist. Der Regisseur versucht weniger, seine Sicht auf das Unbekannte durchzusetzen, als vielmehr das zu enthüllen, was der Öffentlichkeit noch immer verborgen ist. Leider gelingt es derselben Aufteilung nie, für anhaltende Spannung zu sorgen oder die Handlungen der Figuren an den vier Ecken der Stadt zu überlagern, ohne zu riskieren, das Tempo des Films zu schwächen; der Gipfel der Absurdität wird erreicht, wenn der Kampf gegen das Feuer vernachlässigt wird, um eine eingeklemmte Katze zu ironisieren.

Nicht nur sind die vorhandenen Individuen zu zahlreich, um wirksam charakterisiert werden zu können, sondern Jean-Jacques Annaud und sein Co-Autor Thomas Bidegain erlauben sich auch noch, neue zu erfinden, um in der Art von Roland Emmerich eine Identifikation in jedem Alter zu ermöglichen. Einige männliche Figuren ragen jedoch aus diesem Umgebungs- und Drehbuchchaos heraus: der General Gontier (Samuel Labarthe), der Chef-Adjutant Joël (Jérémie Laheurte) und der Verwalter Laurent Prades (Mikaël Chirinian).

Doch die Ereignisse, die sie durchmachen, sind so lächerlich, dass sie niemals die Realität wiedergeben, egal wie unwahrscheinlich sie auch sein mag. Ausserdem gibt es keine Figur, mit der man mitfühlen könnte. Obwohl der Film vor Aufrichtigkeit und Liebe nur so strotzt, wie einer der Feuerwehrmänner, der bereit ist, sich zu opfern, um das Denkmal zu retten, bleibt der Film durch sein eigenes Thema eingeschränkt. Die wackelige Kamera schafft es nie, die Grossartigkeit und Zeitlosigkeit der Kathedrale wiederzugeben.

Der Film, der eine epische Reise durch Wasser, Feuer und den Pariser Verkehr darstellen soll, wird schliesslich zu übertrieben. Weder die atemberaubende Nachbildung noch die gelungenen pyrotechnischen und praktischen Effekte ermöglichen es dem Film, seine behaupteten Ambitionen zu erreichen. Der Todesstoss wird durch eine Reihe von Klischees nach amerikanischem Vorbild versetzt: Superhelden-Feuerwehrmänner, ohrenbetäubende Spannungsmusik und groteske Symbolik - die verweinte Marienstatue, die brennend gebliebene Kerze oder das heilige Licht bei der Rettung der Reliquien. Im Herzen des Glutofens konnte die Hitze die Langeweile und Bestürzung nicht zum Schmelzen bringen.

28.06.2022

2.5

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Kommentare

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Tianovic

vor 2 Monaten

Sehr gut verfilmt. Die Hintergründe, das Leben der Anwesenden und beteiligten Menschen. Einfach perfekt. Danke für die wahren Helden von Paris, die Feuerwehrleute 😍😍😍


Chraebu58

vor 2 Monaten

Sehr gut gemachter dok über den verherenden brand der notre dame unterhaltsamer zusammen schnitt


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