Holy Spider Dänemark, Frankreich, Deutschland, Schweden 2022 – 117min.

Filmkritik

Die Jagd nach dem Spider Killer

Filmkritik: Teresa Vena

Der iranisch-dänische Filmemacher Ali Abbasi, der seinen Film im Offiziellen Wettbewerb in Cannes vorstellte, wo die Schauspielerin Zahra Amir Ebrahimi den Preis für die beste Darstellerin gewann, führt uns mitten in einen düsteren Serienmordfall, der auf einer wahren Geschichte beruht.

Seinen neuen Film «Holy Spider» situiert der iranisch-dänische Regisseur Ali Abbasi in seiner iranischen Heimat. Zuletzt hatte er mit «Border» einen äusserst originellen, wenn auch etwas enigmatischen und durchaus auch leicht verstörenden Film präsentiert. Das neue Werk ist weit konventioneller.

Darin geht es, inspiriert von einem real existierenden Kriminalfall, um einen mittelaltrigen Mann, der sich als Wächter der guten Sitten aufspielt und deswegen eine Prostituierte nach der anderen erwürgt und verscharrt. Eine Journalistin setzt sich in den Kopf, ihn selbst überführen zu wollen.

Der Film ist grob in zwei Teile geteilt. Der erste widmet sich der Darstellung der Morde und der Jagd des Täters, der zweite dem Prozess, der diesem im Anschluss an seine Verhaftung gemacht wird. Der erste Teil ist ziemlich krude, keines der schmerzverzerrten Gesichter lässt der Film aus und wirkt dabei eher reisserisch, effekthascherisch als etwa aufklärend.

Am eindrücklichsten ist der zweite Teil, weil er es schafft, starke Emotionen hervorzurufen. Hier funktioniert die Gesellschaftskritik, die Abbasi im Sinn hatte. Es ist schade, dass er sich nicht mehr darauf konzentriert hat.

09.01.2023

3

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Kommentare

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Yvo Wueest

vor 7 Tagen

Harte Kost und kein freudvoller Abend, unser heutiger Kinobesuch! Ali Abbasis zeichnet im Kern nicht nur ein -von Mehdi Bajestani ausgezeichnet gespieltes - Portrait eines ruchlosen Einzeltäters, sondern im Panoramformat eine ausgewaschene Kultur der Frauenfeindlichkeit.

Immerhin: Das athomospärisch dichte Stück Gegenwartskino (#IranRevolution), wird von Zar Amir Ebrahimi, die kongenial Rahimi, die investigative Journalistin spielt, stetig vorangetrieben. Doch leider wird uns beim Zuschauen und voyeuristischen Mitverfolgen des mörderischen Irrsinns schon zu Beginn zunehmend unwohl. Hätten wir es geahnt, wir wären wohl die ersten gewesen, die sich erst in der zweiten -deutlich aufschlussreicheren - Filmhälfte, in den dunklen Saal gesetzt hätten.Mehr anzeigen


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