Goliath Belgien, Frankreich 2022 – 121min.

Filmkritik

Möge Ihr Mut belohnt werden

Filmkritik: Eleo Billet

Mit diesem dramatischen Thriller um die Lügen der Agrochemie über die Gefährlichkeit ihrer Pestizide, bietet Regisseur und Co-Autor Frédéric Tellier dem Schauspieler Pierre Niney eine spannende Rolle. Er konfrontiert Emmanuelle Bercot und Gilles Lellouche in einem Kampf für Gerechtigkeit.

Auf der einen Seite ist Mathias (Pierre Niney), ein ebenso charismatischer wie schamloser Lobbyist, der die Interessen von Industriegiganten vertritt. Dabei versteckt er die tödlichen Schadstoffe, mit welchen die Bauer arbeiten müssen. Ihm gegenüber stehen verzweifelte Menschen, die dafür kämpfen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Unter ihnen ist France (Emmanuelle Bercot), eine normale Bürgerin, die jedoch mit der Energie der Verzweiflung für ihren kranken Partner Zef kämpft. An ihrer Seite steht Patrick (Gilles Lellouche), Hauptdarsteller in dieser Tragödie und Anwalt von Beruf. Zusammen sind sie entschlossen, den Opfern eine Stimme zu geben.

Das umstrittene tödliche Präparat heisst Tetrazin, eine Art fiktiver Ersatz für Glyphosat, das im Mittelpunkt aller Debatten steht, während die Abstimmung über die Genehmigung seines Gebrauchs näher rückt. Es schleicht sich überall ein: in Patricks entschlossenem Schriftsatz, ebenso in Zefs Gesundheit, dessen Krebs als Kollateralschaden von der Aussetzung dieses Stoffes erklärt wird.

Doch Goliath belässt es nicht bei dieser traurigen Erkenntnis. Ein weiteres Drama wird die Mechanismen in Gang setzen und die Figuren dazu bringen, diesen Skandal aufzudecken. Denn nach dem Verlust ihres Rechtsstreits begeht Landwirtin Lucie (grossartig von Chloé Stefani gespielt) Selbstmord. Erschüttert und entschlossen, Gutes für die Welt zu tun, setzt sich Patrick zunächst für die Verstorbene und dann für alle Opfer dieses Pestizids ein. Sein Wille gibt den geschundenen Seelen neue Hoffnung. Dabei stürzt er sich kopfüber in die Kloake der Korruption und Todesdrohungen, in der wirtschaftliche Interessen über Menschenleben gestellt werden und ökologische Bedenken und das Schicksal der Bauern nur Ausreden sind, um besser verkaufen zu können.

Genau das ist der interessanteste Teil des Films – weit entfernt von der simplistischen Darstellung des Familienlebens und dem Antrieb der Protagonisten, die im Fall von France ins Melodramatische oder in die Karikatur abdriftet. Die Kamera setzt auch dann an, wenn sie die von Mathias gesteuerten Absprachen, Offensivstrategien und andere faszinierende Medienmanipulationen in Blick nimmt. Oder wenn Goliath vorgibt, Mitleid mit dem feindlichen Volk zu haben, um David zu diskreditieren.

Leider gelingt es dem Regisseur nicht, die Wut und die Angst des Volkes zu vermitteln, weder bei den friedvollen Märschen und noch bei den gewalttätigen Demonstrationen. Gefühle machen es immer schwierig, die Probleme zu verstehen. Das Tempo und die Regie des Films sind unausgewogen, und der einzige Moment, in dem er an Fahrt gewinnt, ist die Schlussszene, die zu spät kommt. Der Vergleich mit anderen neueren französischen Thrillern wie «Rouge» oder «En Guerre» ist von daher schwer zu ziehen. Trotz seiner Besetzung bleibt der Film zu uneinheitlich und zu konventionell, um das Publikum vollkommen zu überzeugen.

Übersetzung aus dem Französischen von Elleo Billet durch Alejandro Manjon.

05.08.2022

3

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