Die Geschichte meiner Frau Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien 2022 – 169min.

Filmkritik

Die Liebe eines Kapitäns

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Ildikó Enyedis Verfilmung eines Romans von Milán Füst handelt von der schicksalhaften Beziehung eines niederländischen Kapitäns zu einer Französin. Das leidenschaftliche Drama ist mit Gijs Naber und Léa Seydoux in den Hauptrollen stark besetzt und schreibt sich in betörender Bildlichkeit elegant ins Europa der 1920er-Jahre ein.

Jakob Störr ist ein Seemann, wie er im Buche steht. Er ist gross und kräftig, zuverlässig und ehrlich, kein Mann des Wortes, sondern der Tat. Er liebt seinen Job, die See, den Blick in die Weite, das endlose Schlagen der Wellen und sucht nicht unbedingt die Gesellschaft. Manchmal plagen ihn Bauchschmerzen. Dagegen, meint der Schiffskoch, helfe einzig und allein eine Ehe. Als Störr wieder festen Boden unter den Füssen hat, wettet er mit einem Bekannten, dass er die nächste Frau, die zur Kneipentür hereinkommt, um ihre Hand bittet.

Noch bevor sein Schiff wieder Anker lichtet, sind der bedächtige Störr und die lebenslustige Lizzy Mann und Frau. Ihre Beziehung ist fatal. Denn was Störr an Lizzy fasziniert – ihre verspielte Spontanität, ihre triezende Art ihn aus dem Schneckenhaus zu locken, nicht zuletzt ihr freizügiger Umgang mit Sinnlichkeit und Erotik – macht ihn zugleich misstrauisch. So ist es denn nicht Lizzy, sondern Störr, der zunehmend eifersüchtig unter den wochenlangen Trennungen leidet. Schliesslich gibt er seinen Job auf und veranlasst, dass man aus Paris, wo man sich nach der Hochzeit eingerichtet hat und Lizzy sich unter Bekannten wohlfühlt, nach Hamburg disloziert. Wodurch sich die Situation nicht entspannt, sondern zuspitzt.

Ildikó Enyedi hat Milán Füsts 1942 erschienen Roman sorgfältig adaptiert. Die prächtigen Kostüme und die opulente Ausstattung entführen stilsicher in die 1920er-Jahre, Kameramann Marcell Révs schafft in prächtigen Bildern intensive Szenen von grosser atmosphärischer Dichte. Léa Seydoux spielt leidenschaftlich, provokant und so schillernd, dass nicht nur Störr, sondern auch die Zuschauer Lizzys wahren Gefühle und ihre Absichten nicht kennen. Ebenfalls unklar bleibt, in welchem Verhältnis sie zu Dedin steht, der ihr nach Hamburg folgt und den Störr zunehmend als Gegenbuhler wahrnimmt.

Gijs Naber, gibt Störr als vorerst zurückhaltenden, zunehmend aber verunsicherten Mann, der seinen Gefühlen für seiner Frau letztlich hilflos ausgeliefert ist. Vier Jahre nach dem unvergesslichen «On Body and Soul» ist Ildikó Enyedi mit «The Story of My Wife» erneut ein faszinierend aussergewöhnlicher Liebesfilm geglückt.

11.10.2021

4

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