Petite maman Frankreich 2021 – 72min.

Filmkritik

Mutter und Kind – beide acht Jahre alt

Filmkritik: Walter Rohrbach

Ein leeres Bett in einem verlassenen Zimmer: Die achtjährige Nelly hat gerade ihre Grossmutter verloren. Mit ihrer Mutter fährt sie nun in das Haus, wo ihre Mutter aufgewachsen ist und ihre Grossmutter bis vor ihrer Zeit im Altersheim gewohnt hat. Was nun folgt ist ein interessantes Gedankenexperiment – filmisch umgesetzt von der französischen Regisseurin Céline Sciamma.

Stellen sie sich vor wie es gewesen wäre, wenn sie ihre Eltern als diese noch Kinder waren kennengelernt hätten. Was hätten sie gefragt? Hätten sie sich mit ihnen verstanden? Und, was würde aus den erzählten Geschichten ihrer Eltern werden, wenn sie direkt dabei gewesen wären? «Petite Maman» widmet sich genau dieser Gedankenspielerei. Denn als Nelly im Haus ihrer Grossmutter ankommt um mit ihren Eltern das Haus zu räumen, begibt sie sich auf abenteuerliche Streifzüge durch die Umgebung.

Die Gegend ist ziemlich öde und trist für einen aufgeweckten achtjährigen Lockenkopf wie sie. Aber sie weiss noch, dass ihre Mutter Marion als Kind einen Unterschlupf im nahegelegenen Wald gebaut hat. Bei einem Besuch in eben diesem Wald trifft sie ein Mädchen Namens Marion – ebenfalls acht Jahre alt. Die Ähnlichkeit mit ihr ist offensichtlich und langsam dämmert es Nelly.

Die Regisseurin Céline Sciamma baut in 72 Filmminuten die überraschende Konstellation von zwei Mädchen, die im Grundschulalter – Mutter und Tochter – aufeinandertreffen. Céline Sciamma ist keine Unbekannte: Ihr Film «Porträt einer jungen Frau in Flammen» machte in Cannes Furore und brachte ihr einige internationale Auszeichnungen ein. In ihren filmischen Werken widmet sie sich immer wieder neuen weiblichen Perspektiven – nun nimmt sie mit «Petite Maman» die kindliche Perspektive ins Visier. Die interessante Geschichte von zwei Mädchen wird hervorragend gespielt von den Schwestern Joséphine und Gabrielle Sanz, die im echten Leben Zwillingsschwestern sind.

Zugegeben, der Film beweist ein präzises Gespür für kindliche Lebenswelten und lässt auch genügend Platz für Interpretationen und Reflektionen. Und ja, er ist sehr gut umgesetzt und der entschleunigten Erzählweise kann man sehr gut folgen und ist sehr angenehm anzuschauen. Auch regt der Film stark zum Nachdenken an: beispielsweise indem man sich mit dem eigenen Kindsein beschäftigt oder sich in die geschilderte Konstellation versetzt. Insgesamt aber ist die Schilderung etwas langatmig geworden und etwas mehr Tempo hätte dem eigentlich interessanten Gedankenexperiment sicherlich gutgetan.

21.05.2021

3

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