Memoria China, Kolumbien, Frankreich, Deutschland, Mexiko, Katar, Thailand, Grossbritannien 2021 – 136min.

Filmkritik

Das Gedächtnis des Klangs

Théo Metais
Filmkritik: Théo Metais

Der thailändische Filmemacher Apichatpong Weerasethakul, der Grossmeister des Traums im Kino, präsentierte 2021 in Cannes «Memoria», eine meditative Fabel, in der sich Tilda Swinton auf die Suche nach einem Klang begibt, den nur sie zu hören scheint.

Jessica (Tilda Swinton), eine Botanikerin und Orchideenzüchterin, reist nach Bogotá, um ihre kranke Schwester (Agnes Brekke) zu besuchen. Auf ihrer Reise freundet sie sich mit Agnes (Jeanne Balibar) an, einer französischen Archäologin, die über den endlosen Bau eines Tunnels unter den Anden wachen soll. Sie trifft auf einen Musiker, den jungen Hernán (Juan Pablo Urrego). Ihre Reise ist alles in allem recht konventionell und wenig surreal. Jede Nacht jedoch wird sie von einem seltsamen Geräusch heimgesucht und aus dem Schlaf geweckt. Jessica macht sich auf die Suche nach einer Erklärung und versucht, den Ursprung dieses Geräusches zu ergründen.



«Memoria» ist von der Lyrik gefärbt, die Weerasethakul so sehr wertschätzt. Ein seltsames Geräusch mitten in der Nacht gleich zu Beginn des Films. Tilda Swinton erwacht und so die Autos mit kakophonischen Geraüschen. So beginnt «Memoria», ein Film in Form einer Meditation, der die Reise einer Botanikerin begleitet, welche über den Tod ihres Mannes trauert. Dialoge, wenn überhaupt, sind so vage wie die Aufnahmen, die sie begleiten, und doch so präsent. Die Kamera hört zu und beobachtet friedlich Jessica, den Regen, den Wind, die Strasse…

Im Herzen des Amazonas-Regenwaldes oder im Studio mit einem Musiker aus Bogotá versucht Jessica immer wieder, den Klang zu finden, von dem sie besessen ist. Woher kommt er und vor allem warum? Die Schauspielerin verleiht den stillen Fragen, die sie umtreiben, Gestalt. Die Antwort findet sich wahrscheinlich in den esoterischen Ecken des Waldes, in denen sich ein vermeintliches Raumschiff befindet. Gleichzeitig entdeckt Jessica eine besondere Berufung. Sie ist eine sogenannte Empfängerin, ähnlich einer Antenne, und nimmt Schwingungen von anderswo auf. Eine spannende, lyrische und meditative Reise, fast eine sensorische Trance, die uns auf die Selbstbeobachtung ihrer Figur einstimmt. Eine phantasmagorische Studie, in der man sich von der schwebenden Magie dieses Momentes tragen lassen muss.

Übersetzung aus dem Französischen von Théo Metais durch Alejandro Manjon.

17.05.2022

4

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