Leander Haussmanns Stasikomödie Deutschland 2021 – 115min.

Filmkritik

Weder Fisch noch Fleisch

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Leander Haussmann wuchs in der DDR auf. Einige seiner Filme drehen sich um das Leben in der deutsch-demokratischen Republik. Mit «Sonnenallee» hatte er einen frühen Erfolg. Dabei konzentrierte er sich immer auf die kleinen Geschichten. Er erzählte vom ganz normalen Leben unter dem Regime. Bei «Stasikomödie» versucht er sich daran auch, schiesst aber übers Ziel hinaus – und weiss nicht so recht, ob das Ganze nun komisch oder doch dramatisch sein soll.

Nach Jahren hat sich Schriftsteller Ludger seine Stasiakte geholt – mehr auf Drängen der Familie, denn auf eigenen Wunsch. Als er sie im Kreis der Familie öffnet, ist seine Frau überrascht, denn darin findet sich ein Liebesbrief an ihren Mann. Von einer anderen. Ludger denkt an die Zeit in den 1980er-Jahren zurück, als er nicht der Oppositionelle war, als der er heute gefeiert wird, sondern als Offizier der Staatssicherheit eine Zelle von negativ-dekadenten Individuen infiltriert hat. In der Zeit lernte er auch seine Frau kennen. Und er liebte eine andere. Aber was soll er heute machen? Alles beichten?

Die Prämisse verspricht Amüsement, auch wenn man geflissentlich darüber hinwegsehen muss, dass ein Täter wohl kaum seine Akte ohne vorherige Einsicht mit der Familie erkunden würde. Die Wahrscheinlichkeit wird hier ausgehebelt – ein Kardinalsfehler jeder Geschichte. Nimmt man sie jedoch hin, hat man immer noch eine Komödie. So nennt sich das Ganze ja. Die Frage ist nur: Wieso ist sie nicht so witzig, wie sie sein sollte? Oder sein könnte. Denn irgendwie mäandert der Film tonal sehr stark. Es gibt ein paar gelungene komische Spitzen, dann aber auch puren Klamauk. Die Stasi-Kollegen der Hauptfigur wirken wie eine Magermilchversion der Three Stooges. Das unterminiert die Geschichte.

Überhaupt nimmt sich das Ganze auch durchaus ernst. Aber eben nie genug. Damit sitzt der Film zwischen allen Stühlen. Er ist nicht wirklich witzig, wirklich dramatisch ist er aber auch nicht. Er hätte beides sein können, aber die Verquickung von Humor und Drama funktioniert einfach gar nicht. Daran kann auch das durchgängig gute Ensemble nichts ändern. Der Film schrammt an der Peripherie einer grossen Geschichte vorbei, für den Zuschauer heisst das: Aus dem Auge, aus dem Sinn.

Oberflächlich unterhaltsam, aber in seiner Wirkung stark verminderter Film, der nie weiss, in welche Richtung es eigentlichen soll. Am Ende bleibt so ein diffuses Nichts, dessen Schlusspointe so unsinnig wie die eigentliche Prämisse ist.

09.05.2022

3

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