In 80 Tagen um die Welt Belgien, Frankreich 2021 – 82min.

Filmkritik

Abenteuer ohne Charme

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Verfilmungen des von Jules Verne verfassten Abenteuerromans «In 80 Tagen um die Welt» gibt es mehrere. So lieblos wie die unter der Regie von Samuel Tourneux entstandene Animationsneuinterpretation ist aber wohl keine. Spannung, Spass und Herz gehen diesem Versuch, einen Klassiker in frischem Gewand aufleben zu lassen, fast gänzlich ab.

Trist und eintönig ist das Leben auf der Insel, die das Seidenäffchen Passepartout mit seiner Helikoptermutter bewohnt. Die Landschaft starrt nur so vor Vogeldreck. Aufregende Ereignisse sind Mangelware. Und noch dazu wird Passepartout immer wieder von anderen Bewohnern geärgert. Kein Wunder also, dass sich der kleine Kerl an schönere Orte träumt und über turbulente Abenteuer nachdenkt. Einfach losziehen kommt aber nicht in Frage. Egal, wie sehr der Affe auch den legendären Weltenbummler Juan Frosch de León vergöttert. Seine Mama würde ihn nie gehen lassen. Und überhaupt fühlt er sich für eine grosse Reise nicht richtig vorbereitet.

Wie es der Zufall will, surft allerdings eines Tages der lässige Frosch Phileas Frogg ans Ufer und gibt mit seinen Erfahrungen als unerschrockener Globetrotter mächtig an. Zum Schein geht er auf eine Wette ein, nach der er als erstes Geschöpf die Welt in 80 Tagen umrunden werde – was den unsicheren Passepartout tief beeindruckt. Nach einem mysteriösen Einbruch in die örtliche Bank muss der verdächtige Phileas die Flucht ergreifen und begibt sich – das Drehbuch ist bereits hier wackelig konstruiert – widerwillig auf einen Trip mit dem neugierigen Seidenäffchen. Ihnen auf den Fersen ist die Polizistin Fix, eine hartnäckige Wüstenrennmaus, die den Frosch um jeden Preis für den Diebstahl drankriegen will.

Ins Auge springt sofort, dass «In 80 Tagen um die Welt» keineswegs den Animationsstandards entspricht, die von den US-Studios gesetzt werden. Die Bilder der belgisch-französischen Koproduktion haben wenig Tiefe und fallen nicht sehr detailreich aus. Über die grobe, cartoonhafte Optik liesse sich jedoch leicht hinwegsehen, wenn die Geschichte Charme und packende Wendungen besässe.

Ärgerlicherweise ist der von Jules Vernes Roman inspirierte Familienfilm aber auch in diesen Punkten schwach aufgestellt. Dass die Handlung einen episodischen Charakter hat, ergibt sich aus dem Reiseszenario und könnte durchaus spassig sein. Ein richtiger Fluss will allerdings schon deshalb nicht aufkommen, weil es mehrfach zu riesigen Zeitsprüngen kommt. Die einzelnen Geschehnisse und Begegnungen wirken wie isolierte Nummern und sprühen keineswegs vor Esprit. Den Protagonisten fehlt es an Konturen. Und wenn es doch einmal emotional ergiebig werden könnte, sind die Ideen viel zu achtlos und willkürlich eingeflochten. Bezeichnend für den Film als Ganzes ist ein Metawitz, der sich über ein Klischee im Animationsbereich lustig macht – nur um es am Ende selbst mit Pauken und Trompeten zu bestätigen.

01.02.2022

1.5

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