Klammer Österreich 2021 – 100min.

Filmkritik

Hommage an ein Ski-Idol

Walter Gasperi
Filmkritik: Walter Gasperi

Ganz Österreich erwartet von Franz Klammer 1976 den Sieg in der Abfahrt bei den Olympischen Spielen in Innsbruck. Andreas Schmied konzentriert sich auf die letzten Tage vor dem Rennen und bleibt bei seinem sehr unterhaltsamen Spielfilm immer so sympathisch bodenständig wie sein 22-jähriger Protagonist.

Nur kurz wird mit Archivmaterial von mehreren Weltcup-Abfahrten ein Eindruck von der dominierenden Stellung Franz Klammers in dieser Disziplin Mitte der 1970er Jahre vermittelt. Danach konzentriert sich das Drehbuch von Andreas Schmied und seiner Frau Elisabeth Schmied ganz auf die Tage vor dem grossen Rennen am 5. Februar 1976 am Innsbrucker Patscherkofel, dem eine ganze Nation gebannt entgegenfieberte.

Ein kluger Schachzug ist diese Verkürzung, denn sie sorgt dafür, dass der Film nicht ins kurzatmig Anekdotische abgleitet, sondern eine runde und geschlossene Erzählung entwickelt wird. Mit Klammers Aufbruch im Kärntner Heimatdorf beginnt so «Chasing the Line» und endet spiegelbildlich mit seiner Heimkehr.

Dazwischen steht der Countdown zum Rennen in Innsbruck mit Fanbegeisterung, medialer Berichterstattung, die die Stimmung anheizt, einem autoritären und ständig rauchenden Cheftrainer Charly Kahr (Wolfgang Oliver) und den wie eine pubertierende Bubengruppe agierenden Kollegen des Ski-Stars. Dramaturgisches Zentrum sind aber neben dem nahenden Rennen die frische Liebe zur in Wien Medizin studierenden Eva Hämmerle (Valerie Huber) und der Konflikt mit dem Skihersteller Josef Fischer (Robert Reinagl), der unbedingt will, dass Klammer mit dem neuen Loch-Ski fährt. Ganz am Rande bleibt dagegen die sportliche Konfrontation mit dem grossen Schweizer Konkurrenten Bernhard Russi.

Mit kräftigem Strich inszeniert das Schmied. Klar gezeichnet sind die Figuren, Zwischentöne gibt es nicht, dafür wird mit Kleidung, Autos und Frisuren sowie fast allgegenwärtigen Zigaretten nostalgisch ein Zeitbild gezeichnet oder auch überzeichnet. Denn einerseits spürt man zwar Schmieds Begeisterung für diese Zeit und den Abfahrtskönig, gleichzeitig schwingt in seinem leicht augenzwinkernden Blick doch auch eine liebevolle Ironie mit, die seinem Film grosse Leichtigkeit verleiht.

Als Schwachpunkt kann man die Liebesgeschichte ansehen, mit der die Sportlergeschichte aufgebessert werden soll, aber wirklich übel nehmen kann man das Schmied nicht. Bewusst kein hochgetunter und perfekt durchkomponierter Film will das nämlich sein, sondern soll eher ganz im Stil seines Protagonisten bodenständiges, aber von Herzen kommendes Kino bieten. Und das ist Schmied mit seiner unübersehbaren Leidenschaft für das österreichische Ski-Idol und seine Leistungen auch gelungen. – Kritische Akzente dürfen dabei freilich nicht erwartet werden.

03.01.2022

3.5

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