Encanto USA 2021 – 99min.

Filmkritik

Magie in Gefahr

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Das Disney-Animationsmusical «Encanto» entführt uns in eine leuchtend-farbenfrohe Welt, die allerdings von einem grossen Schatten bedroht wird. Den Durchblick behält ausgerechnet eine Heranwachsende, der in jungen Jahren, anders als ihren Verwandten, keine aussergewöhnliche Fähigkeit geschenkt wurde.

Wie muss man sich fühlen, wenn alle Menschen um einen herum mit einer Art Superkraft ausgestattet sind, man selbst aber einfach nur normal ist? Dass sich Mirabel in der bunten Madrigal-Sippe manchmal wie eine Aussenseiterin vorkommt, lässt sich sehr gut nachempfinden. Erstaunlicherweise verdirbt ihr diese Erkenntnis aber keineswegs ständig die Laune. Vielmehr tritt sie uns trotz ihres Haderns und ihrer Selbstzweifel als aufgeweckte und empathische Teenagerin entgegen, die genau die richtigen Worte findet, um einem kleinen Jungen in Erwartung seiner speziellen Fähigkeit Mut zuzusprechen. Tapfer verfolgt Mirabel die traditionelle Zeremonie, bei der bislang noch jedes Mitglied ihres Clans – sie ausgenommen – eine besondere Gabe erhalten hat.

Mit diesem Geschenk gesegnet sind die Madrigals, seitdem Grossmutter Alma und ihren Weggefährten vor vielen Jahren auf der Flucht eine Zauberkerze in die Hände fiel, dank der sie sich in den Bergen Kolumbiens in einen magischen Schutzraum, den titelgebenden encanto, zurückziehen konnten. Das verwunschene, ein lustiges Eigenleben führende Haus der Familie und das angrenzende Dorf sind von der Aussenwelt unberührt und werden in verführerisch bunten, fantasievollen Animationsbildern als paradiesische Orte inszeniert.

Die ohne übermenschliche Fähigkeit aufgewachsene Mirabel macht nach dem neuerlichen Zauberritual jedoch beunruhigende Beobachtungen: Kleine Risse tun sich im Heim der Madrigals auf. Und offenbar lässt bei ihrer übermenschlich starken Schwester Luisa die Muskelkraft langsam nach. Dass die Magie der Gemeinschaft bedroht sein könnte, wie die Heranwachsende befürchtet, will in ihrer Umgebung allerdings zunächst niemand wahrhaben.

«Encanto» lässt uns in ein frisches, aufregendes Setting eintauchen. Und an die Hand nimmt uns dabei eine liebenswerte Protagonistin, die den Beispielen aus jüngeren Disney-Animationsfilmen wie «Vaiana» folgt und nicht dem klassischen Prinzessinnenklischee entspricht. Mirabel sucht ihren Weg, geht ihren unschönen Vorahnungen auch gegen Widerstände nach und wartet nicht auf den Mann ihrer Träume. Eine moderne Heldin, der man gerne die Daumen drückt. Auch, weil sie der Beleg dafür ist, dass man keine Superkräfte braucht, um ungewöhnliche Dingen zu vollbringen.

Während das kurzweilige Abenteuer vor allem in seinen zahlreichen Gesangspassagen vor kreativer Energie nur so sprüht, manchmal fast schon zu viel will, werden die meisten Figuren mit eher flüchtigen Pinselstrichen gezeichnet. Wirklich hervorstechen können einzig Mirabel und ihre vom Flüchtlingsschicksal geprägte Oma. Wenig verwunderlich gehört eben diesen beiden im letzten Drittel einer der bewegendsten Momente des ganzen Films. Dass im Finale der Kitsch gelegentlich die Oberhand gewinnt, ist schade, ändert aber nichts an der grundlegend positiven Stimmung, die man aus «Encanto» mitnimmt.

22.11.2021

3.5

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Kommentare

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navj

vor 2 Tagen

„Encanto“ ist kein neues Animationsmeisterwerk aus der Disney-Schmiede. Die Optik, welche strakt von der Kulisse Kolumbiens inspiriert wurde, ist berauschend, jedoch konnte mich die Geschichte, mit den allzu vielen Charakteren und Gesangseinlagen nicht überzeugen.


Taz

vor 10 Tagen

Wunderbarer Disneyfilm, der viel Lebensfreude mitbringt und das ganze in schmissige Songs packt. Auch wer sonst eher die Nase rümpft, wenn gesungen wird, dürfte hier mitgerissen werden. Dazu eine einfache Geschichte und liebenswürdige Figuren. Nach dem Trailer hatte ich eine andere Vermutung, wurde aber vom Film hervorragend unterhalten.Mehr anzeigen


fgswz

vor 10 Tagen

Wunderbare Geschichte. Sehenswert. Für ganz kleine Kinder (3-6) wahrscheinlich zu schwierig.


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