The Hand of God Italien 2021 – 129min.

Filmkritik

Ein Leben nach Maradona

Filmkritik: Alejandro Manjon

Fabiettos Familie besteht aus seinen Eltern, seinem Bruder und einer Schwester, die kaum im Film zu sehen ist. Trotz weniger Freundschaften fühlt sich der Teenager in seinem Leben in Napoli wohl. Er interessiert sich für den weiblichen Körper und Fussball insbesondere Maradona. Nach einem plötzlichen Missgeschick muss er schnell erwachsen werden und in die Zukunft schauen.

Fabiettos Familie bedeutet alles für den Teenager, welcher an seinem Vater (Toni Servillo) festhält und mit dem er sich am meisten versteht. Sie unterhalten sich über Frauen, Fussball, Verwandte und machen Witze über die Merkmale ihrer Familie, wie zum Beispiel das Humpeln des neuen Lebensgefährtens ihrer Tante oder die depressiven Züge der Grossmutter. Die Beziehung zwischen dem Vater und der Mutter (Teresa Saponangelo) wird als ideal dargestellt. Sie pfeifen sich eine vogelartige Melodie als ein Liebesausdruck zu, lachen zusammen und fahren alleine in den Skiurlaub. Das Paar sieht zusammen glücklich aus und dies macht Fabietto auch glücklich. Fabiettos Beziehung zu seinen Geschwistern wird knapp im Film angeschnitten. Sein Bruder macht sein eigenes Zeug mit seiner Freundin und dem Freundeskreis, während seine Schwester kaum aus dem Bad kommt.

Dennoch sieht man im Laufe des Filmes, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Der Vater wird aus der kleinen Wohnung rausgeschmissen, weil er der Mutter etwas verheimlicht hat. Fabietto geniesst dennoch die gemeinsame Zeit mit seinem Vater aber es dauert auch nicht lange, bis ein Missgeschick der Familie passiert, welches das Leben vom Hauptcharakter auf den Kopf stellt. Ab diesem Zeitpunkt fängt im Film ein anderes Kapitel an: Die Suche der Selbstidentität.

«The Hand of God» ist eine Zuspitzung der italienischen Gesellschaft der 80er-Jahre. Die Ambiance versetzt uns vierzig Jahre in der Zeit zurück, dank der glaubwürdigen Kostüme, Requisiten wie der alten Fernsehgeräte und natürlich der Maradonna-Bewegung, die Napoli in den 80ern erschütterte. Aber auch die Witze vom Vater, die wegen ihrer unterschwelligen Frauenfeindlichkeit auch in die 80er gehören. Dies ist wichtig hervorzuheben, denn Frauen werden entweder als psychisch instabil oder als Verkörperung der Hingabe und Selbstlosigkeit dargestellt.

Der Film sticht nicht wegen der Musik, die aber passend zum Spielfilm ausgewählt wurde, sondern wegen der atemberaubenden neapolitanischen Landschaften hervor. Das blaue Mittelmeer, die Eruption eines Vulkans oder der freie Himmel, unter dem die Charaktere lachen und weinen, bilden den Hintergrund des Dramas, welches der italienische Kandidat für den besten internationalen Film für die Oscarverleihung 2022 ist. Der Film ist ohne Zweifel sehenswert, auch wenn ein paar Szenen sich zu lang ziehen oder überflüssig für den Verlauf des Filmes sind. Dennoch überrascht Paolo Sorrentino den Zuschauer vor allem mit einer unerwarteten gewalttätigen Episode und einer obskuren Szene zwischen Fabietto und einem anderen Charakter. Erwähnenswert ist die allgemeine Szenografie, in der sich der Film verwickelt: Napoli vom Feisten.



20.12.2021

4

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Kommentare

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Filmenthusiast

vor 13 Tagen

So viel besser als Hollywood-Durchschnittskost


thomasmarkus

vor einem Monat

Lebensvoll, italienisch, skurril mitunter.
Und das bis ins kleinste Detail.
Was hat Pater Pio im Putzkübel zu suchen?


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