Délicieux Belgien, Frankreich 2021 – 112min.

Filmkritik

Kulinarische Revolution

Walter Gasperi
Filmkritik: Walter Gasperi

Éric Besnard erzählt in seiner historischen Komödie am Beispiel eines Spitzenkochs, der statt für den Adel zu kochen, ein Landgasthaus für die einfachen Leute eröffnet von der Demokratisierung und Befreiung durch die Französische Revolution.

Kurz vor der Französischen Revolution 1789: Spitzenkoch Pierre Manceron (Grégory Gadebois) herrscht zwar in der Grossküche seines adeligen Herrn, doch als er beim Menü die exakte Speisenfolge nicht einhält, wird er entlassen. So zieht er mit seinem Sohn vom Schloss in die Poststation, in der er aufgewachsen ist. Vom Kochen aber hat er genug. Erst als die geheimnisvolle Louise (Isabelle Carré) ihn inständig bittet, sie als Lehrling aufzunehmen, gibt er ihrem Dängen nach und stellt sich wieder in die Küche.

Doch nicht für den Adel, sondern für Durchreisende und die Bewohner:innen der Region soll hier gekocht werden. Fiktiv erzählt so Éric Bresnard, dem schon vor sechs Jahren mit dem Feelgood-Movie «Le Goût des merveilles» («Birnenkuchen und Lavendel») ein Publikumserfolg gelang, von der Entstehung des Restaurants als einem Ort der Geselligkeit und des Genusses.Vorhersehbar ist sowohl, dass Pierre und Louise langsam zueinander finden werden, als auch dass es Rückschläge geben wird. Doch mit dem prächtig eingefangenen Ambiente und den mit ihrem lustvollen Spiel einnehmenden Schauspieler:innen hält Besnard seine Komödie locker am Laufen. Gelüftet werden muss ja auch noch das Geheimnis um Louise und es gibt auch noch den Herzog, mit dem nicht nur Pierre eine Rechnung offen hat.

In vielfach nur von Kerzenlicht erhellten und in warme Farben getauchten Bildern (Kamera: Jean-Marie Dreujou), die an Gemälde alter Meister erinnern, entwickelt sich ein wahrer Augenschmaus. Gleichzeitig kommt mit der Zubereitung der Köstlichkeiten von sich am Spiess drehenden Hähnchen bis zu Geleefrüchten auch der kulinarische Genuss nicht zu kurz. Doch nicht nur die Küche befreit sich von allen Zwängen und – fiktiv – wird Neues wie Pommes Frites oder das Schneiden von Brot in Scheiben erfunden, sondern mit dieser gastronomischen Revolution korrespondiert die gesellschaftliche, wenn dem arroganten Adel schliesslich die Perücken heruntergerissen werden.

Ein Leichtgewicht ist «Delicieux» zweifellos, bereitet aber mit der geschmackssicheren, von feinem Humor durchzogenen Inszenierung, mit seinen prächtigen Bildern und der leichthändigen Verknüpfung der Geschichte des Gasthauses mit dem gesellschaftlichen Aufbruch sowie der privaten Geschichte des wortkargen Pierre und der selbstbewussten Louise beträchtliches Vergnügen.

03.12.2021

4

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