a-ha: The Movie Norwegen 2021 – 108min.

Filmkritik

Kein A-ha Erlebnis

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

«A-Ha The Movie» beschreibt die alt bekannte Geschichte von Bands wie «The Eagles», «Fleetwood Mac» oder «Aerosmith». Wegen ständiger Machtkämpfe zwischen den Mitgliedern lösen sich erfolgreiche Gruppen auf. Dieser Dokumentarfilm liefert, mal abgesehen von den gealterten Gesichtern der ehemaligen Mädchenschwärme, nicht viel Neues.

«A-ha The Movie» will aufzeigen, dass die norwegische Pop-Band, die mit dem 80er Jahre Hit «Take On Me» zu Weltruhm gelangte, mehr war als nur eine Teenie-Band. Oder besser gesagt, ist. Denn Keyboarder Magne Furuholmen, Gitarrist Pål Waaktaar und der Sänger mit der goldenen Stimme und dem Gesicht eines Filmstars, Morten Harket, gehen noch immer auf Tournee. Aber Freunde, so beteuern sie, seien sie nicht. Der Film beschreibt die verschiedenen Persönlichkeiten der Bandmitglieder und wie sie sich aneinander reiben. Sei es in London, nachdem sie erste Erfolge feierten, oder als sich das zweite, experimentellere Album nicht verkaufte und A-ha von der Plattenfirma wieder in die Teenie-Bopper Kategorie gesteckt wurde. Der Film will uns klar machen, dass diese Band nicht auf Freundschaft basiert, sondern auf musikalischem Handwerk. A-ha war kein One-Hit-Wonder, sie sind ein Trio starker Persönlichkeiten.

Wer in den 80er Jahren seine prägenden Jahre verbrachte, erinnert sich an die norwegische Band mit dem schlagkräftigen Namen, ihren Ohrwurm mit dem cleveren Video, das rund um die Uhr auf MTV gezeigt wurde und dem gutaussehender Sänger mit der mehrere Oktaven umfassenden Stimme. Schon als Schüler in Norwegen, als Mitglieder ihrer ersten Band Bridges, prahlten Furuholmen und Waaktaar in einer norwegischen Zeitung: «Wir wollen internationale Pop Stars werden. Norwegen ist uns zu klein.» Vorsicht, was ihr euch wünscht. Es könnte in Erfüllung gehen. Beeinflusst von Bands wie «Joy Division» und «The Velvet Underground» zogen die Schulfreunde nach London, anstatt an die Uni zu gehen. Nach ein paar mageren Jahren fand das Duo in Harket ihren Sänger, eine Plattenfirma und einen Produzenten, die ihren Song «Take On Me» zu einem Welthit machten.

Der Regisseur des A-ha Dokumentarfilms ist Thomas Robsahm, der Sohn eines norwegischen Models und des Schauspielers Ugo Tognazzi, der zur selben Zeit wie die Mitglieder von A-ha in Norwegen aufwuchs. Robsahm fügt dem Film einige neue Interviews mit den Bandmitgliedern hinzu. Andere Gespräche, wie zum Beispiel die mit Freundinnen und Frauen der Bandmitglieder, sind nicht zu sehen und dürfen nur als Voice Over-Stimmen ihren Kommentar über die Unstimmigkeiten in der Band abgeben. Dabei hätten sie viel Tiefgründiges zu sagen wie z.B. Harkets Ehefrau Inez Andersson: «Sie sind nicht mehr hungrig genug», meint die Frau des Sängers. «Aber ihr bestes Album haben sie noch nicht gemacht.» Aber, ein neues Album scheint nicht in den Sternen zu stehen. «Mit uns zu arbeiten, ist für jeden anstrengend», erklärt Furuholmen. «Es ist ein ständiges Tauziehen und Zähneknirschen, es gibt nur böse Blicke und Verzögerungen».

«A-ha The Movie» bietet wenig neue Information, die ein eingefleischter Fan nicht schon hatte. Und sind wir mal ehrlich, abgesehen von den A-ha Fans wird sich dieser Film schwer tun, ein Publikum zu finden. Robsahm und sein Kameramann Aslaug Holm werden nie tiefgründig. Sie fragen nicht über die künstlerische Authentizität oder das Vermächtnis von A-ha nach, das vor allem für Pål Waaktaar, der ständig dem nächsten, besseren Song nachzujagen scheint, das höchste Anliegen zu sein scheint. Im Vergleich zu anderen Musik-Dokumentarfilmen werden keine Musikhistoriker oder -Kritiker bemüht, die Streitereien der Bandmitglieder in einen Kontext zu stellen. Anstatt fokussiert sich die Kamera auf die alternden Gesichter der ehemaligen Mädchenschwärme, während sie darüber klagen, wie schwer das Leben als Popstar doch ist. Und wieder ist es die Off-Stimme einer der Ehefrauen, die das Dilemma ihres Mannes auf den Punkt bringt. «Es ist ein Glück, so erfolgreich zu sein», wundert sich Lauren Savoy, Waaktaars Ehefrau. «Geniess es doch! Es ist schon fast eine Sünde, nicht zu erkennen, was man hat, wenn man so viel hat.» Die Männer teilen diese Einsicht aber nicht.

Die Stärke des Films liegt in der Musik und den zahlreichen Konzertaufnahmen, die in den Zuschauern eine Nostalgie für die 80er Jahre und die Hits von A-ha heraufbeschwört, die viel zahlreicher sind, als man sich erinnert. Und wenn Chris Martin während eines Konzerts darüber spricht, welchen Einfluss A-ha auf die musikalische Entwicklung seiner Band «Coldplay» hatte, glaubt man ihm das. Das Überraschendste ist die Tatsache, dass A-ha, obwohl die Bandmitglieder kaum mehr miteinander sprechen, noch immer auf Tournee sind und, Covid bewahre, demnächst wieder Stadien mit 200’000 Menschen füllen. Während ihre US-Tournee im kommenden April 2022 schon ausverkauft ist, sind für die europäischen Konzerte von A-ha im Mai noch Tickets zu haben.



07.10.2021

3

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

liebster

vor 8 Tagen

Aha


Mehr Filmkritiken

Venom: Let There Be Carnage

Boss Baby - Schluss mit Kindergarten

Dune

Die Schule der magischen Tiere