What Lies Below USA 2020 – 89min.

Filmkritik

Zu schön, um wahr zu sein

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

In seinem ersten abendfüllenden Spielfilm, den er nach einem eigenen Drehbuch inszenierte, versieht Braden R. Duemmler das altbekannte Haus-im-Grünen-wird-zum-Schreckensort-Motiv mit einem nicht alltäglichen, aber auch etwas trashigen Dreh.

Dass die 16-jährige Liberty (Ema Horvath) nach dem Ende eines mehrwöchigen Ferienlagers keine Lust hat, ihrer Mutter Michelle (Mena Suvari) Rede und Antwort zu stehen, kann man der jungen Frau nicht verdenken. Zu aufgekratzt gibt sich die Mama auf der Fahrt zum Haus am See, das Liberty von ihrem Grossvater geerbt hat. Dort angekommen wartet eine faustdicke Überraschung auf die Teenagerin. Denn ganz unverhofft lernt sie Michelles neuen Freund John (Trey Tucker) kennen, von dem sie bislang nichts wusste. Der durchtrainierte Adonis macht mächtig Eindruck auf die Jugendliche und hält ihr gleich am ersten Tag einen Vortrag über seine zukunftsweisende Arbeit als Aquagenetiker. Trotz ihrer Faszination für John beschleicht Liberty schon bald das Gefühl, dass der zuweilen leicht übergriffige Partner ihrer Mutter etwas im Schilde führt.

Der Aufenthalt in der Abgeschiedenheit, der urplötzlich gefährliche Züge annimmt, ist im Horrorkino ein alter Hut. Im Fall von „What Lies Below“ bleibt anfangs aber unklar, in welche Richtung sich der Film entwickeln wird: Sorgt die pikante Dreieckskonstellation für blutige Eifersuchtsdramen? Könnten Johns Forschungen, die er im surreal ausgeleuchteten Keller des Hauses betreibt, verhängnisvolle Folgen haben? Oder handelt es sich bei dem attraktiven Wissenschaftler um einen klassischen Leinwandirren, der Liberty und Michelle töten will?

Regisseur Duemmler spielt in der ersten Hälfte mit unterschiedlichen Möglichkeiten, beschwört merkwürdige sexuelle Schwingungen und greift zudem auf einige irritierende Soap-Elemente zurück. Etwa wenn er John beim ersten Auftauchen in Zeitlupe aus dem Wasser kommen lässt und seinen wohlgeformten Körper ausgiebig mit der Kamera erforscht. Gelegentlich wähnt man sich in einer billigen Schmonzette. Aus den Blicken des aalglatten Schönlings spricht jedoch stets auch etwas Unheimliches, das die Horrornote wieder in den Vordergrund rückt.

Der Versuch, Tochter und Mutter durch ihre Familiengeschichte etwas Profil zu geben, versandet sehr früh. Zumindest Liberty taugt aber so weit als Identifikationsfigur, dass man ihr im weiteren Verlauf die Daumen drückt. Einen Schwenk in wahnwitzig-trashige Gefilde nimmt der lange Zeit eine diffuse Atmosphäre der Bedrohung erzeugende Streifen ungefähr im letzten Drittel, das sich vor den Horrorvisionen des US-Schriftstellers H. P. Lovecraft verneigt. Die ganz grosse Spannung bleibt allerdings aus, da „What Lies Below“ – anders als es der Titel vermuten lässt – nicht in die Tiefe vordringt. Nach dem abrupten Schlussbild fühlt sich vieles seltsam vage an. Das offenkundig schmale Budget schränkt Duemmler zu sehr ein, um dem Publikum nachhaltig verstörende Impressionen servieren zu können.

25.01.2021

2.5

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Mehr Filmkritiken

Justice League

Lovecut

Fabian oder der Gang vor die Hunde

Der menschliche Faktor