Undine Frankreich, Deutschland 2020 – 92min.

Filmkritik

Wellen der Liebe

Cornelis Hähnel
Filmkritik: Cornelis Hähnel

Regisseur Christian Petzold ist ein Dauergast auf der Berlinale, zuletzt war er 2018 mit seiner freien Anna Seghers-Adaption Transit im Wettbewerb zu sehen. Mit Undine geht er zum fünften Mal ins Rennen um den Goldenen Bären und transportiert dafür eine alte Sage in die Gegenwart.

Undine (Paula Beer) lebt als Stadthistorikerin in Berlin. Für sie bricht eine Welt zusammen, als ihr Freund Johannes (Jacob Matschenz) sie plötzlich für eine andere Frau verlässt. Undine schwört bitterste Rache zu nehmen und ihn zu töten. Nur kurz darauf tritt Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) in ihr Leben und ihr gebrochenes Herz beginnt dank seiner neuen Liebe zu heilen. Anfangs scheinen die beiden glücklich werden zu können, doch die Dunkelheit in Undines Vergangenheit steigt immer wieder an die Oberfläche…

Mit Undine widmet sich Petzold dem Mythos des Wassergeistes Undine und eröffnet damit seine geplante Trilogie über die deutsche Romantik. Im klassischen Sagenstoff bekommt die Nymphe Undine eine Seele, wenn sie die Beziehung mit einem Menschen eingeht, dem untreuen Mann wiederum bringt sie den Tod. Sehr viel mehr Handlung fügt auch Petzold seiner modernen Version nicht hinzu: Seine Undine steht zwischen zwei Männern und hadert mit ihrem Schicksal.

Aber er versteht es, solch kleinen Geschichten kraftvoll zu erzählen. Das elementare Wesen der deutschen Romantik atmend ist hier die Melancholie stets präsent, über der jungen Liebe liegt ein morbider Schleier des Verfalls und der Unbeständigkeit. Petzold erlaubt es sich zudem, seinem Film einige märchenhafte Züge zu verleihen, das erste Kennenlernen von Undine und Christoph in der Flutwelle des zerberstenden Aquariums hat sogar Anwandlungen einer romantischen Comedy (die Märchen der Neuzeit) und auch der Mythos um den Riesenwels am Grunde des Sees wird hier Realität.

Und trotz der deutlichen Orientierung an Mythologie und Romantik fügt sich der Film nahtlos in Petzolds Gesamtwerk ein, denn letztlich waren seine Figuren schon immer von flirrender Poesie getrieben und der Realität leicht entrückt. Auch Paula Beer gleitet mit abwesend-verträumtem Blick durch das Geschehen, das Wissen um die Unausweichlichkeit ihres Schicksals stets vor sich hertragend und trotzdem entschlossen um Selbstbestimmung kämpfend.

Aber wo sonst die Realität traumhaft inszenierte wurde, fehlt durch den bewusst märchenhaften Ansatz der Neuinterpretation des Mythos leider die überraschende Reibung der Welten. Und so spielt Petzold in Undine nicht nur mit bekannten Motiven aus der Sagenwelt, sondern auch aus seinem eigenen Oeuvre, ohne dabei den kraftvollen Sog wie bei Transit oder Barbara zu entwickeln.

26.02.2020

3

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