CH.FILM

Und morgen seid ihr tot Schweiz 2020 – 115min.

Filmkritik

In der Hand von Extremisten

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Es ist eine wahre Geschichte, die hier erzählt wird. Das macht sie um so prägnanter, weil sie die Öffentlichkeit sehr beschäftigt hat – und weil etwas passierte, das es so vorher nie gegeben hat.

Ein Schweizer Paar macht Ferien entlang der Seidenstrasse, gerät jedoch in die Hände der Taliban. Die Geiselnehmer fordern die Freilassung einiger ihrer Kampfgefährten – und natürlich Geld. Die Schweiz als neutraler Staat hat wenig Handlungsspielraum, weswegen die Eltern des Pärchens alles daransetzen, die zwei aus den Fängen der Gotteskrieger zu befreien. Doch letztlich liegt es an dem Pärchen selbst, sich zu helfen. Sie planen eine riskante Flucht, doch kann diese überhaupt gelingen? Niemals zuvor sind Geiseln islamistischer Fundamentalisten jemals selbst entkommen …

Der Film wurde in Rajasthan in Indien gedreht, zudem in Zürich und im Aargau. Danach musste man die Produktion nach Sierra Nevada im südlichen Spanien verlegen, weil eine Rückkehr nach Indien wegen der COVID-19-Pandemie unmöglich war.

Regisseur Michael Steiner hatte so mit einigen logistischen Herausforderungen zu kämpfen, aber auch die Geschichte selbst forderte Tribut. Sie ist emotional und mitreissend erzählt, wobei Steiner den Fokus auf das Pärchen legt, aber auch mit unerwarteten Momenten aufwartet. Sehr interessant ist die Beziehung, die sich zwischen den beiden Schweizern und dem Anführer der Taliban-Gruppe ergibt. Hier gibt sich der Film vielschichtig. Überhaupt versucht er, seine Geschichte nicht einseitig zu erzählen, was angesichts der Gräuel, um die es hier geht, alles andere als leicht ist.

Denn das Paar muss jeden Tag miterleben, wie Frauen von den Taliban behandelt werden und wie Gewalt das Leben bestimmt. Schon allein deswegen steht man natürlich auf Seiten des Ehepaars. Man hofft und bangt mit ihnen mit, immer wissend, dass hier eine sehr persönliche Geschichte erzählt wird, an der die wahren Vorbilder noch immer zu kauen haben. Gerade diese Direktheit ist es aber auch, die Und morgen seid ihr tot so effektiv macht. Dies ist ein hervorragend strukturierter, in seiner Erzählform durchaus komplexer Film, der die Naivität der beiden Schweizer auf die Skrupellosigkeit der Taliban stossen lässt.

Es ist eine albtraumhafte Geschichte, die gegen alle Erwartungen ein Happyend hat. Etwas, das vielen, denen es ähnlich ging wie diesem Pärchen nicht vergönnt gewesen ist. Allein deswegen schon ist der Film wichtig und mutig, weil er das Augenmerk auf Einzelschicksale richtet, was in einer Zeit, in der die Taliban in Afghanistan wieder die Macht erlangt haben, umso wichtiger ist.

20.10.2021

4

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Kommentare

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Patrick

vor 26 Tagen

Eindringliches & Eindrückliches Drama das durch die Beklemmende Filmmusik noch mehr Bewegt.Morgane Ferru und Sven Schelker spielen das Opfer Paar Daniela & David feinfühlend und überzeugend,Ich habe : *Und morgen seit ihr Tod* an der Welt Premiere am Zürich Film Festival gesehen in Anwesenheit von:Filmemacher Michael Steiner,Morgane Ferru, Filmcrew sowie dem echtem Opfer Paar Daniela & David.Das Movie kam am Festival sehr gut an,deshalb waren Morgana Ferru und Daniela Widmer zu Tränen gerührt. Die Botschaft des Filmes ist nicht pauschal andere zu verurteilen ohne das man die Geschichte dahinter kennt.80 Prozent des Filmes wurde abgedreht als der Lockdown dem Film einen Strich durch die Rechnung machte und somit wurde das Movie nicht in Indien fertig gedreht sondern in Spanien und somit konnte man erst im Dezember 2020 mit dem Film abschliessen.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 26 Tagen


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