The Gentlemen USA 2020 – 93min.

Filmkritik

Von Löwen und Drachen

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Guy Ritchie kehrt mit der Actionkomödie The Gentlemen zu seinen Wurzeln zurück und beweist einmal mehr, wieso er häufig der britische Tarantino genannt wird. Nur, so prägnant wie sein amerikanisches Vorbild ist Ritchie in seinem neuesten Film leider nie.

Der Geschäftsmann und Exil-Amerikaner Mickey (Matthew McConaughey) hat mit seinem Drogenimperium in England ein Vermögen angehäuft: Sein Geschäft mit dem in geheimen unterirdischen Plantagen angebauten Haschisch floriert. Deshalb befindet er es für einen geeigneten Zeitpunkt, um sein Geschäft zu verkaufen: Gemeinsam mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery, bekannt aus «Downton Abbey»), die als Autohändlerin ebenfalls kein schlechtes Einkommen hat, will er sich aufs Land zurückzuziehen und ein schönes Leben in der englischen High Society machen.

Um in den Genuss der Frühpension zu kommen, muss seine rechte Hand Ray (Charlie Hunnam) nur noch einen geeigneten Käufer finden – was aber gar nicht so einfach ist: Der ursprüngliche Interessent, Milliardär Matthew (Jeremy Strong), ziert sich, und weitere Kandidaten wie der Chinese Lord George (Tom Wu) und sein Handlanger Dry Eye (Henry Golding) sind aufgrund ihrer Nähe zur kriminellen Welt nicht wirklich vertrauenswürdig. Hinzu kommt, dass kürzlich eine der geheimen Plantagen von einer Gruppe Jugendlicher aus einem Boxclub unter der Leitung eines gewissen Coach (Colin Farrell) überfallen wurde, und der Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant) eines Abends bei Ray auf der Matte steht: Der durchtriebene Opportunist sieht dank Insider-Informationen, die er in Form eines Drehbuchs an Ray verkaufen will, die Chance gekommen, Mickey um viel Geld zu erpressen.

Nach der Sherlock Holmes-Reihe, King Arthur: Legend of the Sword und Aladdin kehrt Guy Ritchie gewissermassen zu seinen Wurzeln zurück: Mit Bube Dame König grAS wurde er 1998 praktisch über Nacht bekannt, nun legt er über 20 Jahre später mit seinem aktuellen Film, für das er auch das Drehbuch geschrieben hat, erneut eine Gangsterkomödie mit schrägen Figuren, grobkörnigem Humor und einer Menge Gewalt vor. Mit viel Liebe zum Detail taucht er in The Gentlemen in die britische Unterwelt ein, die in Guy Ritchies Universum tief verbandelt ist mit der englischen Oberschicht. Optisch kommt The Gentlemen einwandfrei daher, und auch die eine oder andere witzige Referenz auf eigene Filme des Regisseurs oder Kultklassiker von Vorbildern wir Tarantino bleibt nicht aus.

Die Figuren schmeissen – unabhängig von der Schichtzugehörigkeit – mit derben Sprüchen nur so um sich, und die prominente Besetzung geht in den zum Teil sehr überzeichneten Figuren sichtlich auf. Allen voran Hugh Grant, der in der Rolle des investigativen, sich für gerissen haltenden Schnüfflers überraschend selbstironisch auftritt und in den Szenen mit Charlie Hunnam den Film zusammenhält. Und auch Colin Farrell als knallharter aber besorgter Box-Trainer hat einige gute Szenen, die auf jeden Fall Spass machen.

Unterhaltsam ist The Gentlemen dann auch; wohl vor allem für Fans von einem Guy Ritchie der ersten Stunde. Denn wirklich neu oder überraschend ist an der Gangsterkomödie nichts, einige Figuren kommen deutlich flacher heraus, als das Ritchie wohl beabsichtigt hat, und der Plot ist äusserst verworren. So sollte es nicht verwundern, dass nach dem Kinobesuch trotz beabsichtigten tiefergehenden Hinweisen auf soziale Themen wie die Schichtzugehörigkeit oder die Auswirkung von Drogenkonsum nicht viel hängenbleibt. Ausser vielleicht, dass es schlussendlich nicht der Stoss ist, der tötet – sondern die Schwerkraft. Und dass der Löwe als König des Dschungels nicht gerne mit Drachen teilt.

26.02.2020

3.5

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Kommentare

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dulik

vor 23 Tagen

"The Gentlemen" hat zu Beginn eine etwas unstrukturierte und dadurch leicht anstrengende Erzählweise, kommt dann aber immer mehr in die Gänge. Dank dem Cast und den coolen Dialogen macht der Film zunehmend Spass und unterhält weitgehend gut. Hätte man die Geschichte allerdings etwas geradliniger erzählt, stünde der Streifen definitiv im besseren Licht da.
7/10Mehr anzeigen


DerFilmKritiker

vor 24 Tagen

Hugh Grant spielt die Rolle seines Lebens! Die anderen Schauspieler überzeugen ebenfalls! Der Film ist sehr unterhaltsam und überrascht den Zuschauer mit vielen Wendepunkten. Der Film ist einfach nur ein Meisterwerk!! Gute Story, gute schauspielerische Leistungen, die richtige Kleidung, die richtige Atmosphäre, geniale Dialoge, witzige Szenen und der Film ist durchgehend unterhalsam!Mehr anzeigen


Gigu9

vor 27 Tagen

Unterhaltsamer und kurzweiliger Film, Hugh Grant und Colin Farwell sind der Hammer.

Gigu9

vor 27 Tagen

Crisis jung


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