Der Hexenclub USA 2020 – 95min.

Filmkritik

Wo ist der Hexenhammer, wenn man ihn braucht?

Knapp ein Vierteljahrhundert nach dem Originalfilm gibt es nun mit The Craft: Legacy das langerwartete Sequel. Stand zuerst im Raum, dass die Blumhouse-Produktion ein Reboot sein könnte, zeigt sich in der letzten Szene, dass dies doch eine echte Fortsetzung ist. Allein, an die Qualität des Originals reicht dieser Film in keiner Sekunde heran.

Lily zieht mit ihrer Mutter von der Ostküste an die Westküste. Beide ziehen beim neuen Freund der Mutter ein, wobei sich Lily nun auch daran gewöhnen muss, „Brüder“ zu haben. In der Schule passiert ihr ein Malheur, was den Neueinstieg alles andere als leicht macht, aber drei andere Mädchen erkennen, dass sie diejenige ist, auf die sie gewartet haben. Sie müssen Vier sein, um einen Hexenzirkel zu gründen und ihre Kräfte wirklich nutzen zu können. Zuerst ist es für sie alle nur ein Spiel, doch nachdem jemand stirbt, wird alles sehr viel ernster – ganz zu schweigen von der Gefahr, die sich ihnen aus den Schatten nähert.

Schon der Originalfilm zielte natürlich auf ein junges, weibliches Publikum an, aber er schaffte es, auch ein Publikum darüber hinaus zu begeistern. Der neue Film versagt dabei auf ganzer Linie, denn nichts, aber auch rein gar nichts will hier passen. Das Skript ist enorm holprig, es dauert fast bis zur Hälfte, dass ein Plot langsam ersichtlich wird. Wie lahm dieser ist, überrascht dann wiederum nicht. Man wiederholt nicht das Original, in dem eine Hexe gegen die anderen bestehen muss, sondern versucht, den Film als „woke“ zu etablieren. Dass David Duchovny sich als Bösewicht entpuppt, ist keine Überraschung, es ist der Besetzung geschuldet. Alles andere wäre völlig unnütz gewesen.

Dass man seine Gier nach Macht gleich zum Systemkampf Patriarchat gegen Feminismus aufbauscht, mag auf dem Papier unheimlich clever gewirkt haben, ist in der Umsetzung jedoch an Lachhaftigkeit nicht zu überbieten. Weil sich der Film übelster Klischees bedient und keinerlei eigene Gedanken parat hat. Das ist so uninspiriert und lahm dargeboten, dass es im Grunde nur folgerichtig ist, wenn sich das Finale als absolut kraftlos herausstellt. Es ist so schnell vorbei, dass man gar nicht glauben mag, alles sei schon zu Ende. Auch wenn man darüber letztlich doch sehr froh ist.

The Craft: Legacy ist kein Vermächtnis, es ist ein Ärgernis. Ein Film, der in jeder Beziehung schlecht ist. Bei Blumhouse sollte man langsam zur Erkenntnis kommen, dass Qualität über Quantität kommt. Ein paar Rohrkrepierer weniger würden dem Studio echt nicht schaden.

29.10.2020

1.5

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Kommentare

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Taz

vor einem Monat

Überflüssig, nicht schaurig und schlichtweg langweilig. Der Hexenclub von 1996 war ja noch einigermassen anguckbar, aber dieses Teil hier ist unnötig und gehört nicht in's Kino.


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