Spiral: From the Book of Saw USA 2020 – 95min.

Filmkritik

Wenn korrupte Cops ins Gras beissen

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Die tot-gesagte Horror-Franchise «SAW» kommt überraschend mit einer neunten Episode und einem neuen Killer zurück. «Spiral: From the Book of Saw» würdigt seine Vorgänger zwar, wird mit diesem lauwarmen Neustart die Franchise aber nicht wiederbeleben können.

Zeke Banks (Chris Rock) ist ein Veteran eines Polizeireviers in einer nicht definierten nordamerikanischen Stadt. Seine Seniorität bringt ihm aber alles andere als Ansehen, denn vor 15 Jahren hat er einen seiner Kollegen, der nebenbei krumme Dinge machte, ausgepfiffen. Seither wird er von den anderen Polizisten seines Bezirks nicht nur gemieden, er wurde sogar angeschossen. Daran kann auch sein Vater, der Polizeichef Marcus Banks (Sam Jackson), nichts ändern. Als eines Tages ein toter, gefolterter Polizist auf den Geleisen der U-Bahn gefunden wird, kommen in Zeke Erinnerungen an den Killer Jigsaw auf und plötzlich wird für ihn die Jagd auf den Polizisten-Mörder persönlich.

Vielleicht mal abgesehen von «Star Wars» ist es schwer für eine Filmserie, über neun Folgen hinweg das Publikum bei der Stange zu halten. Im Falle der «Saw» Serie schien der Sättigungspunkt 2017 mit ihrer achten Folge gekommen zu sein, die mangels an Zuschauern zwangsläufig zur letzten wurde. Aber wie Joe Drake, ein Manager bei Lionsgate beteuert, soll Chris Rock ihm an einer Hochzeit die Idee zu «Spiral» vorgeschlagen haben und flugs wurde die Franchise, die für die Kreation des sogenannten Torture Porn bekannt wurde, wiederbelebt. Und Folterporno liefert die 9. Folge zur Genüge. Von herausgerissenen Zungen und Fingern bis zu weggeschmolzenen Gesichtern ist keine Körperextremität vor dem Spiralen-Mörder sicher. Vorbei ist es mit der gruseligen Jigsaw Puppe, Spiral nutzt das schon von seinem Vorgänger eingeführte Schweine-Motiv, auch für die Ankündigung seiner Taten.

Regisseur Darren Lynn Bousman, der schon «Saw» II, III und IV inszeniert hat, kehrt für «Spiral» zurück und liefert viel Altbekanntes und wenig Neues. Das Vielversprechendste an «Spiral» schien das brandaktuelle Thema der Kritik am amerikanischen Polizeiwesen zu sein. Obwohl der Film vor dem letztjährigen Wiederaufleben der «Black Lives Matter» Bewegung und den Protesten gegen Polizeigewalt gedreht wurde, gibt das «Spiral» eine gewisse, wenn auch eher zufällige, Aktualität. Aber der Film geht nie den Fragen nach, ob Zeke das Gefühl hat, die Aggressionen gegen ihn hätten mit seiner Hautfarbe zu tun, oder, ob er Spirals Gewalt, die sich nur gegen korrupte Polizisten wendet, zu einem gewissen Grad als für gerechtfertigt sieht.

Es hilft auch nicht, dass Chris Rocks Talent als Schauspieler beschränkt ist. Seine Auffassung von dramatischer Schauspielerei scheint mit dem extremen Zusammenkneifen seiner Augen zu tun haben. Der Komiker, der für seine seriöse Arbeit an der TV-Serie «Fargo» zwar Kritikerlob ernten konnte, scheint von «Spirals» Ton völlig überfordert worden zu sein. Rock spielt Zeke als geradlinigen Helden, während Sam Jackson die Rolle seines Vaters mit zynischem Unterton anzugehen scheint, als hätte er soeben ein Haufen von Schlangen im Polizeirevier gesichtet.

«Spiral: From the Book of Saw» hat gute Absichten und liefert den Fans der Serie Hommagen an einige der berühmtesten Momente dieser Serie, aber der Folterporno ist definitiv weniger abscheulich als in einigen der anderen Filmen. Dass «Spiral» aber die unbequemen Themen, die Amerika derzeit beschäftigen, nur antönt, um eine gewisse Wachsamkeit vorzutäuschen, ist enttäuschend und eine verpasste Chance. Wer hat die Regel aufgestellt, dass ein Horrorfilm nur für billige Gänsehaut gut ist und nicht auch eine sozialpolitische Message haben kann? Da «Spiral» überraschend mit der Möglichkeit von Fortsetzungen spielt, können wir nur auf eine bessere Qualität der Sequels hoffen.

14.09.2021

2.5

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Kommentare

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Taz

vor 3 Monaten

Macht als Thriller nicht viel falsch. Der Bezug zur Saw-Reihe ist gegeben und wird etwas ausgeschlachtet, aber mit diesem Film kann eine neue Serie von Filmen gestartet werden. Eklige Szenen, angenehme Spannung und Chris Rock ist nicht so schlimm, wie erwartet. Absolut okay für Fans der Reihe.Mehr anzeigen


Barbarum

vor 3 Monaten

Nicht nur der Killer eines Horrorstreifens ist schwer zu töten, auch die Franchise an sich. So soll Chris Rock einem Boss von Lionsgate bei einer zufälligen Begegnung während einer Hochzeit seine „fantastische Vision“ gepitcht haben, wie man die Saw-Reihe von James Wan (The Conjuring, Aquaman) und Leigh Whannell (Upgrade, The Invisible Man) wiederbeleben könne. Die Raffinesse des Originals von 2004 mutierte von Sequel zu Sequel mehr und mehr zu billigem Toture Porn. Mit dafür verantwortlich war Darren Lynn Bousman (Saw II, III und IV), der nun auch bei „Spiral“ die Regie übernahm. Eine Qual ist hierbei ebenso Chris Rock, der als Detective Banks – einem sauberen Polizisten, der von seinen korrupten Kollegen gemieden wird – ständig so wirkt, als versuche er einen schuldigen Furzer zu ermitteln. Dergleichen reiht sich eine unsinnige Szene an die nächste, aufgefüllt mit klischeehaften Dialogen und null Dramatik. Jedes Puzzleteil scheint von minderwertiger Qualität. Womöglich liess sich nur so, der nutzlose Auftritt von Samuel L. Jackson bezahlen.Mehr anzeigen


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