Rifkin's Festival Italien, Spanien, USA 2020 – 92min.

Filmkritik

Rifkin's Festival

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Woody Allens Filme sind in den USA aufgrund der Kontroversen um seine Person kaum noch vermarktbar. Seit Jahren sind es europäische Produzenten, denen er es verdankt, überhaupt noch drehen zu können. Rifkin’s Festival wurde bereits 2019 gedreht, kommt nun aber auch endlich in hiesige Kinos. Wie so oft bei Allen ist dies ein vielschichtiger, warmherziger Film. Noch dazu einer, der das europäische Kino ehrt und zelebriert. In der Hauptrolle agiert Wallace Shawn. Er ist praktisch Woody Allens Alter Ego.

Als Romanautor gescheitert, als New Yorker Filmdozent nur Anhängsel seiner Frau Sue, begleitet Mort Rifkin sie zu den Filmfestspielen in San Sebastián. Dort macht Sue die PF für den neuen Film des Regisseurs Philippe, den Mort so gar nicht ausstehen kann. Er hegt auch den Verdacht, dass Sue eine Affäre hat. Als er dann die ortsansässige Ärztin Jo kennen lernt, findet er immer wieder neue Gründe, wieso er sie aufsuchen muss. Mort sinniert über seine Beziehungen – und das in Tagträumen, die grossen europäischen Filmklassikern nachempfunden sind.

Der Film ist langsam erzählt. Für viele vielleicht zu langsam. Aber er hat Herz, er hat Flair, vor allem hat er Charme. Und das nicht nur, weil Allen den grossen Klassikern huldigt. In einer schönen Sequenz sieht man Christoph Waltz als Tod aus Ingmar Bergmans «Das siebente Siegel».

Die Besetzung ist gut, man merkt aber schon, dass es Allen nicht mehr möglich ist, eine Vielzahl grosser Stars für seine Filme zu bekommen. Die wenigsten wollen sich angesichts des Skandals, der um den Missbrauch seiner Tochter stattfand, noch mit Allen zeigen. Ein paar bekannte Gesichter, wenn auch eher aus der zweiten Reihe, gibt es aber schon, weil es sicherlich immer noch ein Karriere-Highlight ist, mit Allen zu drehen.

Der Humor ist sanfter Natur – von einer alten, furzenden Lady abgesehen. Die wirkt in Allens Film tatsächlich wie ein Fremdkörper. Davon abgesehen erweist sich «Rifkin’s Festival» jedoch als leichte Fingerübung des Regisseurs, vielleicht nicht so prägnant wie viele seiner anderen Spätwerke, aber dennoch ein schöner, stimmiger Film, der aber davon profitiert hätte, wenn Allen sich auch vor die Kamera begeben hätte. Wallace Shawn ist ein guter Komiker, ein verschmitzter Schauspieler, aber seine Art des Humors ist eine andere als die von dem bekannten Regisseur. Allen hätte hier mit seiner nervösen Art weit besser gepasst, aber spielen will der grosse Maestro der Neurosen wohl nicht mehr. Wie dem aber auch sei, «Rifkin’s Festival» ist ein guter Film, auch und vor allem, wenn man ein Faible für das klassische europäische Kino hat.

24.12.2021

4

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Kommentare

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willhart

vor 3 Tagen

Tut nicht weh - wirkt hölzern


ismifruesch

vor 9 Tagen

Enttäuschend! Die Zeit von Woody Allen scheint wohl vorbei zu sein.


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