Peninsula Korea, Republik (Süd) 2020 – 88min.

Filmkritik

Zombie-Hauptstadt der Welt

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Vier Jahre ist es her, dass Train to Busan sich in Südkorea zum Mega-Erfolg entwickelte und im Rest der Welt auch seinen Siegeszug antrat. Der enorm dynamische Zombie-Film stach aus dem Gros des Subgenres hervor, weil er actionreich, dramatisch und witzig zugleich war. Nun gibt es mit Peninsula das Sequel, bei dem nach den Regeln einer Fortsetzung alles noch grösser und bombastischer sein muss.

Die Zombie-Epidemie in Südkorea wurde eingedämmt – die Halbinsel steht jedoch unter Quarantäne, um den Rest der Welt zu schützen. Ein Soldat, der die Stadt im letzten Moment verlassen konnte, soll nun mit einem Trupp weiterer Freiwilliger, die mehr schlecht als recht dafür qualifiziert sind, zurück nach Seoul, um dort einen LKW zu sichern, dessen Inhalt Millionen wert ist. Zuerst scheint alles gut zu gehen, dann überschlagen sich die Ereignisse jedoch, da sie es nicht nur mit den blutrünstigen Zombies, sondern auch Menschen zu tun bekommen, die in ihrer Brutalität kaum noch menschlich genannt werden können.

Die Intensität seines Vorgängers erreicht das Sequel nicht, weil eine ganze Stadt eben als Spielort weit weniger konzentriert als ein Zug ist. Dafür wartet man mit einem kruden Ideen-Mix auf, der Elemente von John Carpenters Escape from New York ebenso wie von Mad Max 2 aufgreift. So gibt es zum Beispiel eine Arena, in der die Gefangenen gegen Zombies kämpfen müssen, und am Ende eine rasante Verfolgungsjagd, bei dem einem Laster von postapokalyptischen Kriegern nachgestellt wird. Die Originalität lässt bei Peninsula also ein wenig zu wünschen übrig, zumal man die rasante Jagd am Ende wohl eher mit den modernen Fast & Furious-Filmen in Verbindung bringt.

Ungewöhnlich ist an dem Film, dass er das Zombie-Thema mit einem gänzlich anderen Subgenre kombiniert. Dem Heist-Film, in dem eine bunt zusammengewürfelte Gruppe den ganz grossen Coup abziehen will. Nur dass hier eben die Zombies für Probleme sorgen. Aber nur dann, wenn es dem Drehbuch opportun erscheint. Denn der Regisseur setzt gerne mal auf schwülstiges Pathos mit Zeitlupeneinstellungen und lässt seinen Figuren alle Zeit der Welt sich in die Arme zu fallen, während eigentlich ganze Zombie-Horden auf sie zustürmen.

Peninsula ist deutlich schlechter als Train to Busan, der wilde Genre-Mix, der nur im Mittelteil ein wenig Leerlauf aufweist, überzeugt aber zumeist mit reichlich Action, die dann auch fast vergessen lässt, dass die Figuren einem sehr viel weniger am Herzen liegen als noch im Original. Allen Schwächen zum Trotz gehört dieser Zombie-Streifen dennoch zu den Highlights des Genres.

22.10.2020

3.5

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Kommentare

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Taz

vor 20 Tagen

Fand den nicht mehr ganz so stark wie der Vorgänger, aber die Action und die Spannung sind absolut vorhanden und auch sehenswert. Kann man als Fan solcher Film eigentlich nicht viel falsch machen.


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