Godzilla vs. Kong USA 2020 – 113min.

Filmkritik

Kinoikonen auf Konfrontationskurs

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Zwischen der Riesenurzeitechse Godzilla und dem hochhausgrossen Gorilla King Kong fliegen die Fetzen. Kernige Action ist dabei garantiert – eine spannende Geschichte oder halbwegs plastische Figuren sucht man aber vergeblich.

Geteilte Erzähluniversen und lose verbundene Filmreihen schiessen seit geraumer Zeit wie Pilze aus dem Boden. Das grosse Vorbild ist sicherlich die 2008 ins Rollen gebrachte Marvel-Saga, die inzwischen eine stattliche Grösse erreicht hat. Mit «Black Widow» startet im Sommer 2021 schon das 24. Leinwandkapitel im sogenannten Marvel Cinematic Universe. Eine Zahl, von der das 2014 ins Leben gerufene Monster-Verse, in dem Godzilla und King Kong ihr Unwesen treiben, noch weit entfernt ist. Mit «Godzilla», «Kong: Skull Island» und «Godzilla II: King of the Monsters» wurden hier bislang gerade einmal drei Beiträge veröffentlicht. Adam Wingard, der im Kino zuletzt 2016 mit der Horrorfortsetzung «Blair Witch» gastierte, schiebt nun den nächsten Teil der Monsterreihe nach.

«Godzilla vs. Kong» lässt die beiden titelgebenden Riesenkreaturen mit voller Wucht aufeinanderprallen und strickt – das kennt man aus dem Franchise bereits – um die Auftritte der Giganten herum eine anspruchslose Geschichte. Das wirklich Wichtige sind die auf Überwältigung angelegten Spektakelbilder, von denen Wingard nicht gerade wenige im Gepäck hat.

Den selten einfallsreichen Plot bringt ein unerwarteter Angriff Godzillas in Gang. Als der Titan in einer Einrichtung des Tech-Konzerns Apex Cybernetics für Chaos und Verwüstung gesorgt hat, engagiert Firmengründer Walter Simmons (Demián Bichir) die Wissenschaftler Ilene Andrews (Rebecca Hall) und Nathan Lind (Alexander Skarsgård) für eine höchst riskante Expedition tief ins Innere der Erde, wo die Urzeitgeschöpfe angeblich ihren Ursprung haben. Interesse hat Simmons freilich nur für eine mysteriöse Energiequelle, die man als Waffe gegen Godzilla und Co einsetzen kann. Zusätzliche Brisanz bekommt die Reise, weil King Kong dem Suchtrupp den Weg in seine Heimat weisen soll.

Action und Effekte sind knackig genug, um Freunde ausgedehnter Monsterkeilereien ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. «Godzilla vs. Kong» hat diverse Auseinandersetzungen zu bieten, die ihre volle Wirkung erst auf der grossen Leinwand mit einem exquisiten Soundsystem entfalten. Bahnbrechende Ideen bringt Wingard in den Kampfsequenzen zwar nicht unter. Handwerklich liefern der Regisseur und seine Crew jedoch saubere Arbeit ab.

Ein Film wie dieser will sein Publikum in erster Linie durchschütteln – was gelegentliche erzählerische Überraschungsmomente allerdings nicht ausschliesst. Dennoch hapert es in diesem Punkt immer häufiger. Waren die Handlungen in den Vorgängern schon nicht besonders pfiffig, tritt nun der rein funktionale Charakter überdeutlich hervor. Manche Figuren – etwa Simmon‘s Tochter Maia (Eiza González) – tragen förmlich ihre Eigenschaft als Kanonenfutter zur Schau. Backstorys werden angerissen, um plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Und gerade der zweite Handlungsstrang rund um den Verschwörungspodcaster Bernie Hayes (Brian Tyree Henry), Reihenrückkehrerin Madison Russell (Millie Bobby Brown) und deren Kumpel Josh Valentine (Julian Dennison) fühlt sich teilweise wie überflüssiger Ballast an. Ihre Nachforschungen bei Apex Cybernetics sind vor allem deshalb spannungsarm und auch ein wenig lachhaft, weil ihnen viele Erkenntnisse einfach in den Schoss fallen. Grosse Anstrengungen müssen sie definitiv nicht unternehmen, um dunkle Machenschaften aufzudecken.

Wie kraftvoll auch in einem Blockbuster Augenblicke des Innehaltens sein können, beweist eine Szene zwischen Andrew‘s gehörloser Ziehtochter Jia (Kaylee Hottle) und King Kong an Bord eines gigantischen Frachters. Das Mädchen, das als Einzige eine echte Verbindung zum Riesenaffen aufgebaut hat, spürt hier den Empfindungen und Bedürfnissen des Gorillas auf herzzerreissende, aber nicht kitschige Weise nach. Leider kann sich «Godzilla vs. Kong» nicht dazu durchringen, dem besonderen Verhältnis eine angemessen umfangreiche Beachtung zu schenken. Hätte man Jias Figur etwas grösser gemacht, hätte der Film tatsächlich so etwas wie emotionale Kraft entwickeln können.

29.06.2021

3

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Yak2ku

vor 10 Tagen

ich bin Asian, und die Godzilla Figur Grafik Design gefällt mir nicht, Kong der Affe , ist immer gleich aber nun er isst Fische der King Kong ohne Bananen, komisch .


walter-Oliver

vor 21 Tagen

4DX Das war ein tolles Erlebnis und der Film glänzt durch Monsterpower aber versagt gänzlich durch Story.
Anhäufung von überflüssigem Kitsch mit Frau und Kind und Teenager und Sci-Fi Fantasy aus dem Recycling Kübel.


Filmenthusiast

vor 23 Tagen

Story ist extrem shallow (Kong good guy, Godzilla bad guy), reicht in keinster Weise an die Tiefe der beiden Vorgänger heran, zuviel ist sehr unglaubwürdig (Teenager spazieren stundenlang durch eine streng geheime Forschungseinrichtung, alle Türen offen, keine Security und Kameras weit und breit). Was bleibt sind gelungene Animationen. Gute Unterhaltung, aber nicht grossartige Unterhaltung wie die ersten beiden Teile.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 2 Tagen


Mehr Filmkritiken

Fast & Furious 9

Cash Truck

Die Croods - Alles auf Anfang