Enkel für Anfänger Deutschland 2020 – 101min.

Filmkritik

Es ist nie zu spät

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Regisseur Wolfgang Groos und Heiner Lauterbach arbeiteten vor zwei Jahren schon für die Komödie Kalte Füsse zusammen. Damals war Lauterbach ein richtiger Griesgram, in Groos‘ neuestem Film ist er nun ein in die Jahre gekommener Mann, der sich von so gut wie allem zurückgezogen hat. Dass es dabei nicht bleibt, versteht sich von selbst.

Gerhard (Heiner Lauterbach) ist seit zwei Jahren verwitwet und hat nun auch noch den Hund seines Mannes verabschieden müssen. Just in dem Moment trifft er auf seine alte Freundin Karin (Maren Kroymann), die sich von ihrem Mann gelangweilt fühlt und darum wie ihre Schwägerin als Leih-Oma arbeiten will. Sie überredet Gerhard, sie zu begleiten. Es kommt, wie es kommen muss, und Gerhard wird zum Leih-Opa des kleinen Viktor. Wenn ein älterer Mann einem Jungen ein Eis spendiert, kann das aber schon mal zu Problemen führen. Auch Karin wird herausgefordert, denn sie findet den Vater ihres Schützlings sehr sympathisch – und er sie auch. Ihr Leben ändert sich in den späten Jahren noch einmal völlig, aber können sie mit den Veränderungen auch mithalten?

Im Kern geht es bei Enkel für Anfänger um die Frage, ob man je zu alt ist, um in seinem Leben noch mal etwas anzupacken oder zu verändern. Das zeigt sich besonders schön am Beispiel von Karin und ihrem Mann. Sie möchte die Welt sehen, Neues entdecken, leben, während er am liebsten in seinem Stuhl sitzt und dem Rasenroboter zusieht. Er sei schon am Verwesen, meint sie zu ihm, und hat in gewisser Weise nicht Unrecht. Ihre beiden Lebensentwürfe driften auseinander. Damit einher geht eine neue Liebelei, bei der sich Karin die Frage stellen muss, ob die Schmetterlinge im Bauch es wert sind, ein ganzes Leben wegzuwerfen, oder ob sie nicht ihre Träume verwirklichen und dennoch mit ihrem Mann zusammen sein kann.

Die Konflikte in diesem Film sind sehr nachvollziehbar – querbeet durch alle Handlungsstränge und mit allen Figuren. Sie wirken dabei niemals überzogen oder ausgereizt, sondern authentisch. Auch das macht den Reiz dieser sympathischen Komödie aus, denn man kann sich in den Figuren wiederfinden. Das Trio der Alten, bestehend aus Heiner Lauterbach, Maren Kroymann und Barbara Sukowa, ist wunderbar, Palina Rojinski als Mutter des Jungen, um den Gerhard sich kümmert, ist aber auch einer der ganz grossen Aktivposten dieses Films. Damit ist Enkel für Anfänger ein lebensbejahender, optimistischer, inspirierender Film, der postuliert, dass es für einen Neubeginn nie zu spät ist, wenn man denn genügend Mut dafür hat.

31.01.2020

4

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