CH.FILM

Eden Für Jeden - Jedem Siis Gärtli Schweiz 2020 – 90min.

Filmkritik

Kleinkrieg zwischen Grill und Gemüse

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Eine Schrebergartenidylle als Mikrokosmos: In Rolf Lyssys ironischer Gesellschaftskomödie werden multikulturelle Kontroversen ausgefochten. Dabei erobert die Solothurnerin Steffi Friis als Rebellin Nelly im Familiengarten alle Sympathien. Ein amüsanter Sommerausflug in die blühende Stadtidylle.

Fesch, forsch und velofit: Sie fegt wie ein Sturmwind durch die Schrebergartenidylle, in der Schweiz Familiengarten genannt. Nelly (Steffi Friis), junge Busfahrerin auf Zeit und hauptberufliche Studentin kümmert sich redlich um ihre Grossmutter Rosmarie (Heidi Diggelmann). Doch nun haben die beiden ein Problem, ihre Wohnung wurde gekündigt. Wohin also mit der leicht dementen alten Dame? Da kommt der smarten Nelly der Schrebergarten ihrer Grosi in den Sinn, und flugs ziehen die beiden in die urbane Idylle.

Der Präsident der Gartengesellschaft, Franco (Pablo Aguilar), mokiert sich freilich über die flotte Velofahrerin Nelly und besteht bürokratisch genau auf dem Übernachtungsverbot. Und so liefert sich die aufsässige Studentin mit Lizenz zum Busfahren einen kleinbürgerlichen Kleinkrieg mit «Il Presidente». Und der mündet in einer turbulenten GV und Neuwahlen. Es kommt es zum regelrechten Wahlkampf in der urbanen Idylle.

Nelly weiss ihre Grossmutter und natürlich auch den musikalischen Nachbarn mit brasilianischen Wurzeln, Paolo (Marc Sway), auf ihrer Seite. Tante Hanni (Suly Röthlisberger) ergreift zwar die Opposition, aber nur vorläufig. Als dann noch Nellys ausgewanderter Vater Albert (Andreas Matti) auftaucht, der im Burgund Reben pflegt, werden manche alte und neue Nachbarschafts- und Familienfehden ausgefochten.

Komödienkenner Rolf Lyssy (Die letzte Pointe, Die Schweizermacher) und sein bewährter Autor Dominik Bernet liessen sich von Mano Khalils Dokumentarfilm Unser Garten Eden (2010) inspirieren und schufen eine neckisch nette Gartenkomödie (Untertitel: «Jedem siis Gärtli»). Dabei nimmt sie nicht nur schelmisch Vereinsmeierei und Nachbarschaftsklüngel auf die Schippe, sondern unterhält auch sympathisch liebenswürdig.

Ein leichtes Sommervergnügen, bei dem die Solothurnerin Steffi Friis aufblüht wie eine Sonnenblume – Augenweide und Dynamo zugleich. Ihre Nelly wird zur Friedensstifterin und schafft Kontroversen um einen Gemeinschaftsgrill aus der Welt, auf dem (muslimisches) Lamm und (westliches) Schwein friedlich nebeneinander brutzeln können. Sänger Marc Sway steuert musikalische Samba-Stimmung bei und ist ein gemütlicher Partner der Kandidatin für den Vereinsvorsitz.

Gedreht wurde der kleinbürgerliche «Kleinkrieg» übrigens im Zürcher Familiengartenareal Aussersihl. Die Kamera führte nicht zum ersten Mal Lyssys Sohn Elia. Im Gartenlauben-Kosmos regen sich kleinbürgerliche Geister zwischen Obst, Gemüse, Grill und Kompost, geben sich rüstige Senioren, Klein- und Grossfamilien ein Stelldichein: Eden, mehr irdisch als himmlisch, bleibt eine Idylle.

30.09.2020

3.5

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Kommentare

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Julia

vor 18 Tagen

Intressanter Figurenmix. Die Sympathie derer ist Geschmacksache. Die Nähe zur Realität eher distanziert. Ist halt nur ein Film. Sympathisch schwiizerdütsch.


rosenthaler

vor 19 Tagen

Mist!


corueegg

vor 19 Tagen

Unterhaltsamer guter Schweizer Film, jedoch frage ich mich, warum Marc Sway ständig seine Lieder trällern muss. So gut wie jedes Mal wenn er im Film auftaucht, kommt ein Song von ihm. Nichts gegen Marc Sway und seine Songs, im Film aber definitiv zu viel davon!


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