Aalto Finnland 2020 – 103min.

Filmkritik

Der Mann und sein zeitlos schönes Werk

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Als Alvar Aalto das Paimio-Sanatorium entwarf, wurde er krank und musste selbst ein paar Tage in einem Krankenhaus verbringen. Er erkannte, dass der Blick auf die Welt sich ändert – abhängig davon, ob man gesund oder krank war. Diese Erkenntnis liess er in seinen Entwurf des Sanatoriums einfliessen, weil er darauf achtete, ein Gebäude und ein Innenleben zu planen, das aus der Sicht „horizontaler Menschen“ ansprechend ist.

Die Dokumentation von Virpi Suutari geht chronologisch vor, stellt Aalto, aber auch seine Frau Aino vor und zeigt sie als Vorreiter des Modernismus, als ein Paar, das sich kreativ befruchtete und liebte, das die Welt des Designs veränderte und nachhaltig beeinflusste. Das gilt nicht nur für die Gebäude, die Aalto gestaltete, sondern auch für die Möbel und Accessoires, die es jedem erlaubten, ein Stück zu besitzen, das eine simple, aber faszinierende Schönheit ausstrahlt. Selbst, wenn man sich kein Aalto-Haus leisten konnte, konnte man seinen Stil nach Hause bringen.

Aaltos Gebäude sind faszinierend, weil er sie als Kunstwerke verstand, aber auch, weil sie sich ihrer natürlichen Umgebung anpassen und nicht als Fremdkörper bestehen. Sie sind Teil dessen, was sie umgibt, und nicht Kunstwerke, die sich über alles erheben und nur um sich selbst kreisen. Das ist die Schönheit und die anhaltende Pracht von Aaltos Werk, das die Zeit überstanden hat. Das gilt für seine Bauwerke, aber auch seine Möbel. Er hat damit im Grunde die Zukunft vorweggenommen – so sah man es zumindest im Film Things to Come, einer Verfilmung von H.G. Wells‘ Roman aus dem Jahr 1936, der einen Blick auf das Jahr 2036 wirft. Die Menschen dort sitzen in Paimio-Stühlen, weil deren Funktionalität und Look nicht nur zeitlos, sondern auch futuristisch ist – und es immer bleiben wird.

Bei der Darstellung von Aaltos Leben und Werk setzt man stark auf Film- und Fotomaterial jener Zeit. Damit wird ein Gefühl für den Mann erschaffen, vor allem aber auch für sein Werk. Die Dokumentation blickt auf das Leben des Mannes, durch seine eigenen Worte, aber auch durch einen modernen Blick auf sein Werk.

Die Dokumentation schafft es, nicht nur Aaltos Werk in den Fokus zu rücken, sondern auch den Menschen – und mehr noch, seine Beziehung zu seiner Frau. Er zeigt die Aaltos als warmherzige, sensible, ausgesprochen kreative Menschen, die das Gesicht Finnlands änderten, mit ihrer praktischen Kunst aber auch weltweit für Furore sorgten.

04.02.2021

4

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