Untouchable - The inside story of the Harvey Weinstein scandal Grossbritannien, USA 2019 – 98min.

Filmkritik

H. W. & die Frauen. Oder: Die dunkle Seite Hollywoods

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Ausgehend von Interviews mit Opfern, Weggefährten und Mitarbeitenden erzählt Ursula Macfarlane die Geschichte vom steilen Aufstieg und jähen Fall des Filmproduzenten Harvey Weinstein.

Es gab eine Zeit, in der ging im Kino bei Erscheinen des „Miramax“-Logos die Sonne auf: Filme wie Sex, Lies & Videotapes, The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover, ¡Átame! und Pulp Fiction – innovativ in der Machart und thematisch aufregend – waren erfolgreich und schrieben Filmgeschichte. Gegründet wurde Miramax von Harvey und Bob Weinstein 1979. Nachdem die Brüder ihre Firma Disney verkauften, gründeten sie 2005 die „Weinstein Company“.

Doch 2017 wurde als Skandal publik, was in Insiderkreisen als „offenes Geheimnis“ galt und die MeToo-Bewegung ins Rolle brachte: Harvey Weinstein soll Dutzende von Frauen sexuell belästigt, genötigt oder vergewaltigt haben. Die Vorwürfe reichen zurück bis in die 1980er-Jahre, als die in New York ansässigen Weinsteins als Jungspunds mit der Produktion vom Independent-Filmen zum Sturm auf Hollywood ansetzten.

Hier setzt Untouchable- The inside story of the Harvey Weinstein scandal an und verfolgt, ausgehend von Interviews mit Betroffenen im Stil einer chronologischen Reportage, den steilen Aufstieg und abrupten Fall von Harvey Weinstein. Unter den Anklagenden finden sich nebst Unbekannten grosse Schauspielerinnen wie Rosanna Arquette (Pulp Fiction) und Paz de la Huerta (The Cider House Rules). Was sie beschreiben, ist entsetzlich und zeugt in seiner Repetition von skrupelloser Respektlosigkeit und pathologisch triebhaftem Verhalten. Das Erzählen erscheint für die Betroffenen oft unerträglich zu sein und ist in der emotionalen Direktheit erschütternd.

Neben den Aussagen der Opfer finden sich solche ehemaliger Angestellter und Weggefährten; diesen gemeinsam ist ein Moment der Scham und ein latentes Schuldbewusstsein. Ergänzt werden die Berichte mit einer Flut von Archivmaterial, das Weinsteins Karriere beleuchtet; auch finden sich im Film Aussagen betreffend Weinsteins riesigem Charisma und seinem untrüglichen Instinkt für einmalige Stoffe und Projekte.

Soweit ist Untouchable- The inside story of the Harvey Weinstein scandal, der wenig enthält, was man aus der Presse nicht schon kennt, eine solide Recherche, die durchaus ihre Wichtigkeit und Berechtigung hat. Doch zwischen Interviews und Archivaufnahmen finden sich wiederholt Aufnahmen von Limousinen, die unterlegt von entsprechender Musik geisterhaft durch gern nachtdunkle Strassen gleiten. Das sind Mittel der Suspence, wie sie der Gangsterfilm verwendet, die in einer dokumentarischen Reportage aber fehl am Platz sind.

14.10.2019

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