Das Fenster zur Strasse USA 2019

Filmkritik

Das Fenster zur Strasse

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Schon 2019 gab es Testvorführungen des Films, das Publikum war aber verwirrt, weswegen man einige Nachdrehs ansetzte, um die Geschichte klarer zu transportieren. So richtig zufrieden war man aber wohl dennoch nicht. Fox 2000 gab den Kino-Release schließlich auf und verkaufte den Film an den Streamer Netflix, wo er als schnelle Unterhaltung zwischendurch schon taugt. Ein Kinoticket hätte sich bei diesem Thriller aber nicht gelohnt.

Anna leidet unter Agoraphobie. Sie verlässt das Haus nie, auch die Therapie und die Medikamente bringen nichts. Regelmässig beobachtet sie ihre Nachbarn, darunter auch die neu gegenüber eingezogenen Russells. Mit dem 15-jährigen Sohn Ethan versteht sie sich als Kinder-Therapeutin gut, auch mit seiner Mutter Jane kann sie gut, aber der Vater scheint ein Tyrann zu sein. Dann beobachtet Anna, wie Jane ermordet wird. Sie ruft die Polizei, doch es gibt kein Opfer – und man zweifelt an Annas Zurechnungsfähigkeit.

Der Auftakt ist ganz gut. Die Prämisse hat ihren Reiz, auch wenn von vornherein klar ist, dass hier nur eine Variation von Alfred Hitchcocks «Rear Window» geboten wird. Und dennoch kann sich Joe Wrights Film von diesem Meisterwerk abheben, weil die Hauptfigur mit ihren mentalen Problemen ein ganz anderes Set an Möglichkeiten bietet. Hier ist immer auch die Frage, ob das, was man aus Annas Perspektive sieht, auch wirklich so passiert ist oder nicht einfach nur eine Halluzination ist.

Nur leider macht der Film aus dieser Idee zu wenig. Oder anders gesagt: Er traut sich nicht, diese Idee in ihrer vollen Konsequenz auszuspielen. Denn zum Ende hin muss das Ganze dann eben doch ein konventioneller Thriller mit einer halbgaren Auflösung werden, dem man sogar noch so etwas wie ein Happyend aufpfropft, das vieles, aber auf jeden Fall nicht überzeugend ist.

«The Woman in the Window» ist durch die Bank gut besetzt. So gut, dass man sich fragt, wieso jemand wie Anthony Mackie eine Rolle annimmt, die kaum mehr als ein besserer Cameo-Auftritt ist. Inszenatorisch gibt es an dem Thriller nichts zu mäkeln. Wright findet auch einige sehr schöne Bilder und Kamerafahrten, wofür sich das grosse, düstere Haus, in dem die Hauptfigur lebt, auch anbietet.

Der Makel dieses Films ist einfach, dass er in erster Linie ein Thriller sein will, wenn ihm weit besser gedient gewesen wäre, ein an die Nieren gehendes Drama zu sein. So bleibt er ein solider Durchschnitt. Kann man schauen, kann man aber auch lassen – und stattdessen noch mal «Rear Window» gucken.

14.05.2021

3

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Kommentare

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Taz

vor einem Monat

Unblaublich langweilige Umsetzung der Story, die mit grossen Namen (Adams, Oldman, Moore) gefüllt ist, die aber zum grössten Teils höchstens Stichwortgeber sind. Man merkt dem Film an, dass er durch eine Odyssee von Studio zu Reshoot zu Netflix gereicht wurde. Finger weg!


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