The Prodigy USA 2019

The Prodigy

Filmkritik

Kleiner Teufel

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Nicht noch ein Horrorkind, mag man beim Blick auf Nicholas McCarthys neue Spielfilmarbeit anfangs denken. The Prodigy greift ein seit Jahrzehnten im Gruselgenre verankertes Motiv auf und lässt eine lieblos-lärmende Schockparade vermuten. Am Ende steht aber ein solider Schauerbeitrag mit einigen überraschend atmosphärischen Momenten.

Sarah (Taylor Schilling) und John (Peter Mooney) sind überglücklich, als ihr Sohn geboren wird, und erkennen schnell, dass sie ein überdurchschnittlich intelligentes Kind bekommen haben. Dessen Probleme im sozialen Miteinander bereiten den Eltern zunächst keine allzu grossen Sorgen. Im Alter von acht Jahren legt der kleine Miles (Jackson Robert Scott) allerdings immer seltsamere Verhaltensweisen an den Tag, was Sarah und John zunehmend verunsichert. Während sich der Vater mehr und mehr von seinem Filius distanziert, sucht die Mutter verzweifelt nach Antworten. Bei ihren Nachforschungen begegnet sie dem unkonventionellen Therapeuten Arthur Jacobson (Colm Feore), der eine übernatürliche Erklärung ins Spiel bringt.

Welche böse Macht von Miles Besitz ergreift, deuten Regisseur McCarthy (The Pact) und Drehbuchautor Jeff Buhler (Nightflyers) bereits in einem Prolog an, dessen plakative Schockeffekte die Hoffnung auf einen stimmungsvollen Gruselthriller schwinden lassen. Umso überraschender ist dann jedoch, dass sich der Film im Folgenden vor allem für den Aufbau einer schleichend-unheimlichen Atmosphäre interessiert. Besonders im Fokus steht dabei das Innenleben Sarahs, die sich einerseits zu ihrem Sohn hingezogen fühlt, andererseits aber auch starke Angstgefühle entwickelt. Wie grausam es sein muss, wenn der eigene Nachwuchs einem plötzlich schrecklich fremd wird, zeichnet The Prodigy recht glaubhaft nach.

Der Plot strotzt keineswegs vor Innovationen. Gelegentlich kommen abgegriffene Horrorklischees – etwa das obligatorische tote Haustier – zum Einsatz. Und einige Erklärungen sind sicher etwas ausufernd. McCarthys kompetente Inszenierung und Jackson Robert Scotts furchteinflössende, zwischen kindlicher Unschuld und diabolischer Arglist pendelnde Performance halten den Gänsehautstreifen aber die meiste Zeit auf Kurs. Im Finale ziehen die Macher die Spannungsschraube ein bisschen stärker an, scheuen zwar vor einer besonders perfiden Wendung zurück, verpassen ihrer Geschichte aber eine angemessen abgründige Schlussnote. Verwunderlich wäre es übrigens nicht, wenn eine im Film mehrfach angestimmte Gruselmelodie nach dem Besuch des Kinos noch ein wenig im Kopf des Zuschauers herumgeistern würde.

15.05.2019

3.5

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Kommentare

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dulik

vor 8 Monaten

Der hochbegabte "Miles" weist ein zunehmend aggressives und beängstigendes Verhalten auf, welches seine Eltern immer mehr beunruhigt. Grund dafür soll die Seele eines Verstorbenen sein, welche sich im Körper des Jungen eingenistet hat. Eine Handlung die zu unterhalten, jedoch nicht zu überraschen vermag. Schockmomente werden einige Male sehr gekonnt aufgebaut, diese hätte man aber durchaus noch weiter ausreizen können. Insgesamt ein Horrorstreifen auf Durchschnittsniveau.
6.5/10Mehr anzeigen


Taz

vor 8 Monaten

Ah, Come on! Den Twist in den ersten Minuten plump und herzlos zu servieren und dann einen auf Gruselfilm machen, das ist doch langweilig. Und da man hier den ersten von vielen, vielen solcher Filme vor sich hat, ist das Ende ebenso unbefriedigend, wie der ganze Quatsch.


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